Solidarität mit den Beschäftigten von MAN Steyr!

Heute beteiligten wir uns an einer Solidaritätsaktion mit der MAN-Belegschaft in Steyr. Mit tausenden Kreidefiguren wurde für die bedrohten 2.300 Arbeitsplätze ein großes Bild der Solidarität gemalt und danach symbolisch für die Arbeitsplatzvernichtung weggewaschen.

Nach dem von MAN/VW beschlossenem Aus für die Produktionsstätte in Steyr, waren die Beschäftigten aufgerufen, über das darauf erfolgte Übernahmeangebot des Investors und ehem. Magna-Chefs Siegfried Wolf abzustimmen – und haben dieses mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Damit haben sie zugleich den zur Chiffre der Profit-Gier avancierten Machenschaften der Konzerne und Finanzkonsortien eine Abfuhr im Interesse aller Beschäftigten des Landes erteilt.

Denn das Erpressungs-Angebot hatte es in sich und setzt den Arbeitenden des lukrativen Traditionswerks in einem einzigen Tabula rasa schlicht das Messer an die Gurgel: Die Belegschaft soll von insgesamt 2.300 MitarbeiterInnen (davon neben den LeiharbeiterInnen 1.950 zur Stammbelegschaft gehörend) auf rund 1.200 Beschäftigte zusammengeschmolzen werden. Gleichzeitig sollen die Nettolöhne um sage und schreibe 15% gekürzt werden – kolportiert werden sogar exorbitante Einschnitte bis zu 30% vom Brutto.

Für die 2.300 Beschäftigten und den Industriepfeiler in der Region, an dem insgesamt rund 8.400 Arbeitsplätze hängen, gilt es nun seitens der Institutionen der Gewerkschaftsbewegung eine tragfähige Zukunfts-Perspektive zu eröffnen und durchzusetzen.

Noch vor dreieinhalb Jahren galten das Werk und sein Standort in Steyr als zukunftsweisender Vorzeigebetrieb – unter anderem für den Elektro-betriebenen innerstädtischen Liefer- und Personenverkehr der Zukunft. Entsprechend medienwirksam ließ sich etwa auch der damalige Bundeskanzler Christian Kern im Führerhaus des neuen MAN eTrucks in Steyr ablichten und kündigte Verkehrsminister Jörg Leichtfried begleitende Bundessubventionen an.

Kein Zufall – besaß das ehemals staatliche Traditionswerk Steyr-Damiler-Puch AG doch bereits in den Jahrzehnten vor seiner Privatisierung und Verkauf an MAN (bzw. eines anderen Teils an Volvo) einen guten Namen in den Sparten der Bus-, LKW- und Automobil- wie auch Fahrradproduktion.

Heute steht das Werk nach dem Abgreifen öffentlicher Subventionen und monatelang steuerlich finanzierter Kurzarbeit durch die Krise hindurch vor dem Aus. Der erst 2019 abgeschlossene Standortvertrag wurde seitens der Konzernleitung kurzerhand aufgekündigt. Die Produktion soll vom Industriestandort Steyr zur Profitmaximierung durch Billiglöhne und mangelnde Arbeiterrechte in Länder wie Polen und die Türkei verlagert werden.

MAN – Swarovski – Opel: das immer selbe Konzern-Monopoly

Vergleichbares zieht bekanntlich unter anderem auch gerade der Swarovski-Konzern in Tirol durch. In Wien wiederum fiel jüngst das traditionsreiche Opel-Werk Aspern, im Neu-Besitz des französischen Automobilkonzern PSA (Peugeot, Citroen, DS), dem Konzern-Monopoly zum Opfer.

Anstatt auf den konzernintern entfachten Konkurrenzkampf allerdings mit einer länderübergreifenden, gemeinsamen, solidarischen und kämpferischen Gewerkschaftsstrategie zu antworten und die Erpressungen der Beschäftigten durch die Konzern-Bosse geeint zurückzuschlagen, setzte man vorrangig auf „Abkommen“ mit Einbußen um „den Standort zu erhalten“ und bejammerte nach dem dennoch folgenden Kahlschlag des Standortes hilflos die „Wortbrüchigkeit“ der Konzernzentrale.

Einen ernsthaften Arbeitskampf um den Erhalt der Arbeitsplätze zog man noch recht eigentlich nicht einmal in Betracht, sondern zog stattdessen schulterzuckend sogleich die Sozialplan-Karte aus dem Talon. Und das zudem noch vor dem Hintergrund, dass Opel im Sommer 2018 mit 1 Mio. Euro seitens der Stadt Wien, die größte Unterstützung eines Einzelunternehmens seit zwei Jahrzehnten bekommen hat – um „den Standort zu erhalten“. Eine Stadtregierung von Rang, würde denn auch – nebenbei bemerkt – sofort die Investition zurückfordern (bzw. hätte sie schon seinerzeit an klare Beschäftigungsgarantien gebunden).

Für den Erhalt unter öffentlichen Kontrolle und eine zukunftsfähige Produktpalette

Als KOMintern stehen wir freilich dem klimapolitisch desaströsen Hype um einen elektromotorisierten Individualverkehr ablehnend gegenüber, da Elektroautos (wie heute auch in Österreich vorangetrieben) dem Vollgas in die Klimakrise in keinster Weise Einhalt gebieten würden. Allerdings können Elektro-LKWs im Rahmen einer echten Verkehrswende eine wichtige Funktion im (nahen) Liefer- und Wirtschaftsverkehr spielen.

Ähnliches (und noch eindeutiger) gilt für die Rolle von Bussen im öffentlichen Verkehr und die Notwendigkeit eines rigorosen Öffi-Netzausbaus. Gleichwohl gilt auch hier: so unumgänglich zugleich deren Umstellung auf emissionsärmere Antriebe ist, stehen wir einem bloßen Ersatz des Dieselantriebs durch Batteriebetrieb aus vielerlei Gründen skeptisch gegenüber. Dass Elektromobilitätslösungen jedoch nicht zwingend mit Batterie-Fahrzeugen gleichzusetzen ist, zeigt schon allein ein flüchtiger Blick auf das O-Bus System in Salzburg.

Wie dem im Einzelnen auch immer: genau dahingehend verfügt MAN Steyr neben der entsprechend hochqualifizierten Belegschaft und einem etablierten Netz an Zulieferern, über ein ebenso ausgezeichnetes Know-how, die nötigen Forschungs- und Entwicklungsqualitäten sowie einen modernen Maschinenpark. Zu alledem steht der Betrieb auch noch auf einer wirtschaftlich soliden Basis und besitzt die Potenz eines äußerst zukunftsfähigen Produktportfolios.

Vor diesem Hintergrund gilt es zur Rettung der Produktionsstätte und Stützung der Region unmittelbar die (Re-)Verstaatlichung des Werks und dessen öffentliche Weiterführung unter systematischer, demokratischer Einbeziehung und Beteiligung der Beschäftigten einzuleiten!

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