Chile: Der Kampf der Mapuche – Teil II

Diesen Sonntag finden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Chile statt. Anlass genug, nunmehr auch den II. Teil des Beitrags zum Kampf der Mapuche nachzureichen. Mit Gabriel Boric, der für das linke Parteienbündnis „Apruebo Dignidad“ antritt, dem auch die KP Chiles angehört, werden einem bekannten Linksdemokraten die größten Chancen eingeräumt das rechte Regime im Andenstaat abzulösen. Im Oktober 2019 entbrannte, nicht zuletzt durch die Mobilisierung der Mapuche, in Chile eine millionenstarke Protestbewegung, gegen die sich der rechte Staatspräsident und fünftreichste Mann des Landes, sowie immer stärker unter Druck geratene Sebastián Piñera nur unter Einsatz des Militärs halten konnte. Zwischenzeitlich ist er mit der Veröffentlichung der „Pandora Papers“ in der Gunst der ChilenInnen vollends abgeschmiert. Parallel hat er gegen die angestammten Gebiete des Mapuchevolks noch den Ausnahmezustand ausgerufen und das Militär gegen die widerständigen Indigenas entsandt.


Zur Erinnerung: Mit rund 1,6 Millionen Angehörigen sind die Mapuche, eine der zehn indigenen Nationen des Landes, das größte indigene Volk Chiles und stellen gut 9% der Bevölkerung des Andenstaates (von denen viele aufgrund des geschichtlichen Landraubs heute auch in der Hauptstadt leben).

Das früher zusammen mit benachbarten Völkern Araukaner genannte indigene Volk (der Mapuche, sowie Stämme der u.a. Picunche, Pehuenche und Huilliche) gilt als eines tapfersten und heldenhaftesten. Der kühne Widerstand der Mapuche führte zu Beginn des 17. Jahrhunderts sogar soweit, dass Chile den Spitznamen „Spanierfriedhof“ bekam und sich Kolonialsoldaten reihenweise weigerten, in Chile zu dienen. Ihr Unabhängigkeitskampf war von einer derartigen Kraft, dass Spanien schließlich gar das Feld räumte, sich zurückzog und anstelle seiner blutig gescheiterten Eroberungspläne um die Aufnahme diplomatischer Beziehungen bat. Das gipfelte in der einzigartigen Stellung der Mapuche resp. Araukaner, dass sie auf Boden des 1641 geschlossenen Vertrags von Quillín im 17., 18. und 19. Jahrhundert zunächst für über 300 Jahre ihre Unabhängigkeit verteidigen und bewahren konnten. Erst 1878 – nach einem Jahrzehnte währenden Krieg sowie einer Strategie der „verbrannten Erde“ gegen die zivile indigene Bevölkerung – gelang es dem neuen chilenischen Staat (1817/18) die Mapuche zu bezwingen und wurde Araukien der Republik Chile angegliedert.

Allerdings währte der Kampf der Mapuche um ihre Unabhängigkeit und ihren Boden auch im Anschluss noch ein weiteres Vierteljahrhundert und hielt als Kampf um den Boden auch danach noch an. 1927 wurde ein Gesetz erlassen, dass die kollektive Form des Landbesitzes auch in den Reservaten zu eliminieren trachtete, um die ausgeprägte Widerständigkeit der Mapuche nochmals zu unterminieren und das Privateigentum als herrschende Norm in ganz Chile durchzusetzen. 1934 scheiterte dann vorerst ihr letzter großer Aufstand. Gleichviel existierten in den Gebieten südlich des Bío-Bío nach 1945 noch über 3.000 indigene Gemeinden, comunidades, mit über 500.000 ha Bodeneigentum.

Ein Vierteljahrhundert später sollte mit der Unidad Popular unter Salvador Allende und Louis Corvalán zunächst ein neues Kapitel für die Mapuche aufgeschlagen werden.

Ihr nie erloschener Widerstand, ihre Solidarität mit der Unidad Popular und ihr antifaschistischer Kampf

Wie betont, währte der Kampf der Mapuche um ihre Unabhängigkeit und ihren Boden auch im Anschluss ihrer Bezwingung unvermindert weiter und hielt als Kampf um den Boden, ein alternatives ökonomisches Entwicklungsmodell, die Anerkennung ihrer Autonomie und kulturellen Identität, sowie um eine Demokratisierung Chiles auch danach noch an.

Zugleich spielten die Mapuche-Gemeinden im Rahmen der demokratischen Agrarreform der Unidad Popular eine nicht zu unterschätzende Rolle, und unterstütze die überwältigende Mehrheit der Mapuche die Volksfront (1970 – 1973).

Die Unidad Popular war ihrerseits gleichzeitig die erste Regierung Chiles, die auch die Interessen der Mapuche vertrat und dafür eintrat, das ihnen in Jahrhunderten geraubte Land zurückzuerstatten. Dementsprechend hatte die Unidad Popular die Rückgabe der usurpierten Ländereien auch in ihr Agrarprogramm aufgenommen. Allein in den ersten beiden Jahren erhielten die Mapuche dann auch knapp 70.000 Hektar Land zugewiesen, von denen rund 56.500 Hektar im Rahmen der Agrarreform der Volksfrontregierung enteignet worden waren. Zwischen September 1970 und März 1972 enteignete die Volksfront fast 2.200 Latifundien mit einer Gesamtfläche von 3,5 Millionen Hektar. Neben den Mapuche wurde das enteignete Land – unter dem verdienten, links-christlichen Agrarminister Jacques Chonchol (von der Bewegung der einheitlichen Volksaktion, MAPU) in Allendes Kabinett – vor allem Genossenschaften sowie landarmen und landlosen Bauern übertragen.

Ähnlich zahlreicher Bauernverbände warteten auch die Mapuche vielfach nicht einfach die staatliche Landzuteilung ab, sondern setzten innerhalb der Dynamik der voranschreitenden Agrarreform auch selbst eine Welle von Landbesetzungen in Gang. Obwohl die Allende-Regierung freilich auf einen geordneten Reformprozess im Rahmen ihrer ansatzweisen planbasierten Kontrolle der ökonomischen Vorgänge orientierte und die Einhaltung der Gesetze pochte – man darf nicht vergessen, dass die Unidad Popular, weit vor der Erfindung des Internets, in Kooperation mit dem Kybernetiker Stafford Beer mit „Cybersyn“ planungstechnisch einen geradezu paukenschlagartigen Weg einschlug –, äußerte sie Verständnis für die Landnahmen der Mapuche und zweifelte schon gar nicht deren Legitimität an. Darin spiegelt sich auch eine der grundlegenden gemeinsamen Zielsetzungen der Volksfrontregierung und der Mapuche-Bewegung: die Zurückgewinnung und Umverteilung des Landes sowie die Zerschlagung des Großgrundbesitzes und der wirtschaftlichen wie politischen Macht der Latifundista-Oligarchie Chiles.

Das Agrarprogramm der Volksfront zeichnete sich dabei durch zwei Aspekte aus, die man in ihrem Ansatz wohl gar nicht stark genug herausheben kann. Zum einen sah sich die Regierung Allende expressis verbis verpflichtet, dass sie alles Unrecht tilgen wolle, das den Ureinwohnern Chiles widerfahren ist. Hinsichtlich der Agrarreform bedeutet dies, dass die Unidad Popular den Mapuche nicht nur Land zuteilen wollte oder sie jenen Grund und Boden zurückerhalten sollten, der ihnen in der Zeit der Republik geraubt wurde. Die Unidad Popular wollte ihnen vielmehr, als erste Regierung des Kontinents, auch das Land zurückerstatten, das man ihnen schon in der Zeit der Conquista geraubt hatte.

Zum anderen verstand sich die Volksfrontregierung Allendes dabei nicht einfach als paternalistische Institution. Demgemäß lud Salvador Allende die Mapuche-Vertreter denn auch nach Santiago ein und forderte sie auf, gemeinsam mit der Regierung ein Grundgesetz auszuarbeiten, das auch Voraussetzungen zur Lösung der über die unmittelbare Landrückgabe hinausreichenden Probleme beinhalten sollte. Und jener Gesetzesentwurf wurde dann auch gemeinsam erarbeitet. Neben der nochmaligen Verankerung der Rückgabe des gesamten den Mapuche geraubten Grund und Bodens, umfasste er ferner eine Effektivierung der landwirtschaftlichen Produktion durch Einführung moderner Techniken, sah die indigenen Gemeinden, comunidades, und landwirtschaftliche Genossenschaften als die zentralen Institutionen vor und enthielt die Gewährung von umfangreichen Krediten. Begleitend wurde zugleich die kollektive Form ihres Landbesitz reformuliert und ihr kollektiver Landbesitz als unteilbar bestätigt. Nur wenn 100% einer indigenen Gemeinde die Teilung oder Parzellierung forderten, sollte dies möglich sein.

Wiewohl auch in Chile die Landfrage den Dreh- und Angelpunkt bildete, erschöpfte sich die soziale und nationale Frage der Indigenas darin nicht. Entsprechend verankerte das Indigena-Gesetz von 1972 auch die ausdrückliche Respektierung ihrer Kultur und verfügte die Schaffung eines Netzes von Schulen, in denen der Unterricht nicht nur in spanischer, sondern auch in „Araucano-“Sprache (Mapudungun, reps. auch Huilliche) erteilt wurde. Vor diesem Hintergrund fand dann auch eine der größten politischen Manifestationen in Santiago de Chile im Zeichen der Unidad Popular in Gestalt einer Kundgebung der Mapuche statt. An ihrer Spitze demonstrierten die Toqui, gefolgt von abertausenden Mapuche, für die revolutionäre Volkseinheit. Die Volksfront, ihre Politik und Maßnahmen, sowie der von einem integrationistisch-revolutionären Diskurs getragene Aufbruch strahlten auf den ganzen Kontinent aus und sind bis heute im kollektiven Gedächtnis der Mapuche und der Indigenas Lateinamerikas geblieben.

Der chilenische Faschismus und die Mapuche zwischen Repression und Widerstand

Die Niederschlagung des revolutionären Aufbruchs durch die faschistische Reaktion unter Augusto Pinochet 1973 und die Errichtung des chilenischen Faschismus traf nicht zuletzt auch die Mapuche-Bewegung mit voller Härte. Die Agrarreform wurde zurückgenommen und die unter der Volksfrontregierung Allende-Corvalán erfolgten Landrückgaben wurden wieder rückgängig gemacht. Der Großteil ihres Landes ging an Forstunternehmen. Zugleich waren die Indigenas, deren Organisationen von der Militär-Junta auch sogleich zerschlagen wurden, neben der Linken, den KommunistInnen und GewerkschafterInnen mit am stärksten Repressionen ausgesetzt, die 1979 zudem noch per rassistischem Gesetzeserlass institutionalisiert wurden.

Ihr Widerstand erlosch jedoch weder unter der faschistischen Militär-Diktatur Pinochets (im Gegenteil entfaltete er sich zur Vor-Volksfront-Zeit zu neuer Stärke und reihte sich die Mapuche-Bewegung in die antifaschistische Kampffront der Linken, ArbeiterInnenbewegung, Gewerkschaften, Studierenden und MenschrechtlerInnen ein), noch erlosch er in den Jahren danach, in denen ihnen die verbrieften Rechte der indigenen Völker der ILO-Konvention 169 weiterhin vorenthalten wurden, und währt in seinen unterschiedlichen Kampfformen bis in die Gegenwart. Bereits 1978 gründeten sich die Mapuche-Organisationen wieder, ab 1981 dann als Ad-Mapu bekannt, die sich in der Folgezeit nochmals stärker politisierte und radikalisierte (aber auch mehrere Spaltungen durchmachte). Prägend waren die anti-faschistischen und anti-kolonialistischen Zielsetzungen. Entsprechend charakterisierte der ehemalige Ad-Mapu-Sprecher Aucán Huilcamán den Kampf der Mapuche für die Wiederherstellung eines demokratischen Chiles aus Sicht der AraukanerInnen 1988 mit den Worten: „Wir bezeichnen unseren Kampf als einen politischen Kampf und die Ziele, die dieses Volk sich setzt muss, müssen auch politische sein, eingebunden in eine gemeinsame Planung der chilenischen Gesellschaft. Wir möchten uns nicht abtrennen von den ‚Nicht-Mapuche‘, sondern wir sehen die Einheit zwischen dem Mapuche-Volke und den ‚Nicht-Mapuche‘.“ Die massive Beteiligung der Mapuche am antifaschistischen Kampf sowie ihre integrationistische Orientierung führten zu einer Annäherung der Mapuche-Bewegung mit breiteren Teilen des politischen Spektrums, das für die Wiedererrichtung der Demokratie kämpfte.

Aufgrund der Enttäuschung ihrer Anliegen durch das neoliberale Chile im Anschluss an den Sieg über die Militär-Junta Pinochets (1989/90) wandten sich die Mapuche verschiedenartigen und auch militanteren Kampfformen – von Demonstrationen, Landbesetzungen und Straßenblockaden, über verschiedentlich Brandanschläge auf Scheunen und Ernten sowie Lkws für den Holztransport – in ihrem Kampf um Anerkennung als indigenes Volk und die Rückgabe ihrer angestammten Territorien zu. Denn ähnlich anderen Ländern, wurde die 2008 auch von Chile anerkannte ILO-Konvention 169 bis heute nicht umgesetzt, erlangte die ihnen im Kampf gegen Pinochet 1989 zugesagte konstitutionelle Anerkennung als Volk nie Verwirklichung, und blieben ihre sozialökonomischen, medizinischen, infrastrukturellen, bildungspolitischen und kulturellen Forderungen auch nach der Befreiung Chiles vom Faschismus weitgehend unberücksichtigt.

Die Zuspitzung der sozial-ökonomischen Widersprüche

Ökonomisch kollidiert der seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre nochmals an Breite und Vehemenz zugenommene Widerstand der Mapuche-Bewegung zudem nicht nur mit dem neoliberalen Modell Chiles im allgemeinen, sondern auch nochmals spezifisch mit dessen agroindustrieller Weltmarktorientierung. Das abermals forcierte chilenische Export- und Entwicklungsmodells (samt Landnahmen und Raubbau an den Naturressourcen für die Forstindustrie, industrielle Fischerei, Zellulosefabriken, Tourismusindustrie, Staudammprojekte), bedroht die Indigenas sowohl sozial wie in ihrer Identität und befeuerte einer Dauerkonflikt mit den um ihr Land und ihre Anerkennung Betrogenen. Dazu führte der Neoliberalismus zu einer immer massiveren Zuspitzung der sozial-ökonomischen Widersprüche, die die Mapuche nach allen Statistiken in etwa doppelt so hohem Ausmaß betraf und noch stärker verarmen ließ. Aber vor allem der Kampf der Mapuche für Autonomie und Anerkennung sowie ihre Auseinandersetzung mit den Forstkonzernen (und damit einem Grundpfeiler des chilenischen Exportmodells) stößt auf umfassende staatliche Repressionen. Dieser Kampf der Mapuche im Süden Chiles bildet seit Jahrzehnten ein Feld von teilweise blutigen Dauerkonflikten mit der Zentralgewalt des Landes.

Kämpfe und Kampffronten

Parallel haben seit Längerem auch die Bewegungen gegen die Privatisierung der Wasser- und sonstigen Naturressourcen schon seit Jahren, vor allem in landwirtschaftlich geprägten Regionen und indigenen Gebieten, zunehmend an Bedeutung gewonnen. Diese Auseinandersetzungen und sozial-ökologischen Konflikte sind, wie bemerkt, zumal in den südlichen Regionen, zugleich auch eng mit den Kämpfen der Mapuche um die Rechte indigener Völker und deren Enteignung und Zurückdrängung durch große Forst- und Landwirtschaftskonzerne verflochten bzw. überschneiden sich mit diesen.

Zu Recht bemerkt Stephan Scheuzger, was die Auseinandersetzung gegen die weitere sozial-ökonomische Degradierung und für die Anerkennung der kulturelle Identität anbelangt, in allgemeiner Absicht: „Letztlich ging es den meisten neueren indigenen Bewegungen um die Herstellung einer Gleichheit in der Differenz, die Anerkennung indigener Verschiedenheit in der Nation. Die Anliegen indigener Organisationen können insgesamt durchaus als Anspruch auf eine effektive gesellschaftliche Partizipation gelesen werden […] Erfolgreich waren Bewegungen, die es verstanden, Allianzen mit nicht-indigenen Organisationen zu schließen, ihre Anliegen mit denen anderer Sektoren der Zivilgesellschaft zu verbinden und sich mit den nationalen und internationalen Diskussionen über Demokratisierung, Globalisierung, Menschenrechte oder Ökologie in Beziehung zu setzen; Bewegungen, die das Allgemeine in den besonderen Anliegen der Indigenen darzustellen und einzubringen vermochten.“

Elisa Loncón – die Frau mit der Flagge der Mapuche an der Spitze des Verfassungskonvents

Mit ihrer Kritik am verfassungsmäßig verankerten neoliberalen Wirtschaftssystem und dem neoliberalen Zuschnitt von Politik und Staat stehen die Mapuche heute alles andere denn alleine da, wie die millionenstarke Protestbewegung 2019/2020 vor Ausbruch der Corona-Pandemie nachdrücklich beweist – gegen die sich Staatspräsident und Multimilliardär Piñera nur unter Einsatz des Militärs halten konnte. Aber auch das harte Vorgehen der Polizei und des Militärs, das auch internationale für Empörung sorgte, konnte die Forderung der ChilenInnen nach einem Verfassungskonvent nicht verhindern. Zur Präsidentin der von den Massen erzwungenen verfassungsgebenden Versammlung, zur Überwindung des noch aus dem Junta-Regime stammenden chilenischen Grundgesetzes von 1980, wurde mit Elisa Loncón zudem erstmals eine Mapuche wie indigene Frau in ein hohes politisches Amt Chiles gewählt.

Der chilenische Staat, so Loncón und andere zahlreiche weitere Abgeordnete der verfassungsgebenden Versammlung soll (ähnlich Boliviens und Ecuadors) in einen plurinationalen und inklusiven, ökologischen und feministischen Staatstyp mit einer Neustrukturierung der ländlichen Gebiete und einer Anerkennung kollektiver Rechte umgewälzt werden. Darin enthalten, natürlich auch das Bestreben nach Formen der Selbstverwaltung indigener Gemeinden.

La lucha sigue! – Der Kampf geht weiter und steht im Feuer

Gleichviel steht die traditionell linke Mapuche-Bewegung aktuell neuerlich in harten Kämpfen um ihre Anerkennung, mehr Autonomie, ihr Recht auf Land sowie gegen die soziale, ökonomische und gesundheitliche Misere Chiles – mit Todesopfern durch die Polizeieinsätze gegen ihren Protest. Die Mapuche sowie chilenische Linke und Kommunistische Partei Chiles lassen keinen Zweifel daran, wen sie für das brutale Vorgehen gegen den „Marsch für den Widerstand der Mapuche und die Autonomie der Völker“ sowie das jüngste Todesopfer – die 43jährigen Studentin und Mapuche-Ativistin Denisse Cortés Saavedra – verantwortlich machen: die berüchtigte, für ihre Verbrechen bekannte Militärpolizei (Carabineros) unter dem rechtskonservativen Innenminister Rodrigo Delgado. Just am „Tag der indigenen Widerstände“ wurde der Konflikt mit dem Mapuchevolk seitens des chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera mit der Verhängung des Ausnahmezustands gegen angestammte Siedlungsgebiete der Mapuche im Süden Chiles und der Entsendung von Streitkräften nun offen militarisiert und damit gleichsam das Kriegsrecht gegen die widerspenstigen Indigenas des Andenlandes ausgerufen.

Die Mapuche, das linke Parteienbündnis „Apruebo Dignidad“ und die KP Chiles

Zugleich stehen diesen Sonntag in Chile Präsidentschaftswahlen an, in denen dem linken Herausforderer Gabriel Boric, der für das linke Parteienbündnis „Apruebo Dignidad“ antritt (und sich gegen den Kommunist Daniel Jadue als Spitzenkandidat durchgesetzt hat), die größten Chancen gegen den rechten Sebastián Sichel bzw. José Antonio Kast, eingeräumt werden. Vielleicht öffnet die Wahl und Sammlung der Kräfte eine neue Perspektive. Sozial-ökonomisch bestehen ohnehin große Übereinstimmungen. Auch einer plurinationalen Verfassungsänderung steht Gabriel Boric aufgeschlossen gegenüber, gilt aber hinsichtlich seiner Positionen als etwas sprunghaft. Und die Periode der Unidad Popular ist heute noch fester Bestandteil des historischen Gedächtnisses der Mapuche – wenngleich der ehemalige Studentenführer Boric natürlich alles andere als ein Allende, geschweige denn Corvalán ist.

Allerdings ist die Mapuche-Bewegung wie bereits angemerkt, keine einheitliche. Neben den Organisationen die sich stärker auf politische Institutionen und Parteien oder den Verfassungskonvent orientieren, existiert andererseits ein Teil der Bewegung der militanter auftritt, auf eine neue Mobilisierung setzt und stärker eine autonome Verwaltung (unabhängig staatlicher Vermittlungen) anstrebt. Ein wesentlicher Hintergrund der Herausbildung dieser Strömung bildet freilich die Enttäuschung von den Institutionen und Parteien im nach-pinochetischen Chile. Einen Schub bekam dieser Teil der Bewegung mit der amerikaweiten Mobilisierung der Indigenas 1992. In Chile spitzte sich die Auseinandersetzungen dann mit dem erstmaligen Aufgehen von mehreren Lastwagen eines Forstkonzerns in Flammen im Dezember 1997 zu. Die Undad Popular bot einst einen Hoffnungsschimmer. Die Mapuche werden ihren Kampf aber jedenfalls so oder so fortsetzen.

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