Widerstand gegen die Abschiebung von Familie Kaya

In Wien sind heute rund 200 Menschen zum Protest gegen die drohende Abschiebung von Familie Kaya in die Türkei zusammen gekommen.

Neben Redebeiträgen von Verwandten der Familie, Asyl in Not, dem Verein ankommen in wien, dem Solidaritätskomitee für Familie Kaya, Seebrücke Wien und dem HDP-Solidaritätskomitee wurde auch ein Brief der Mutter, Meryem Kaya, verlesen.

Die Kayas sind eine alevitisch-kurdische Familie mit zwei Kindern. In der Türkei droht ihnen Verfolgung, weil die Eltern bei der legalen und zweitgrößten Oppositionspartei, der linksdemokratischen HDP, tätig waren. Dem Vater droht jahrelange Haft, der Mutter wahrscheinlich auch. Der ältere Sohn muss zum Militärdienst. Als Kurden und Aleviten und der türkischen Regierung oppositionell eingestellte Menschen ist die Familie massiver Repression und Verfolgung ausgesetzt gewesen. Deswegen sind sie vor knapp fünf Jahren nach Österreich geflüchtet. Hier haben sie Antrag auf politisches Asyl gestellt.

Am 14.1.2021 ist die Familie von Bad Kreuzen in OÖ nach Wien in das Abschiebezentrum Zinnergasse gebracht worden. Am 17.1.2021 sollte die Abschiebung eigentlich schon stattfinden. Diese wurde jedoch nicht durchgeführt, weil der Sohn einen Nervenzusammenbruch hatte. Vater, Tosun Kaya und der Sohn Yilmaz Kaya, wurden daraufhin in Schubhaft genommen, wo sie seither eingesperrt sind. Die Kinder sind von dem was sie in der Türkei erlebten, der Flucht und von der Angst vor massiven Repressionen psychisch extrem belastet. Hier in Österreich sind die Kinder in die Schule gegangen und waren froh, endlich Frieden zu haben.

Hier dokumentieren wir den Brief der Mutter, Meryem Kaya, mit dem sie sich heute an die Soldaritäts-Kundgebung gewandt hat:

„Mein Name ist Meryem Kaya. Ich bin die Mutter von Yigit und Yilmaz. Wir kurdischen Aleviten haben in der Türkei keine Chance auf ein normales Leben. In der Türkei sind Aleviten und Kurden immer Menschen 2. Klasse. Meine Kinder wurden in der Schule immer ausgegrenzt. Wir haben die politische Verfolgung, den Rassismus und die Ungerechtigkeiten nicht mehr ausgehalten und haben uns entschieden nach Europa zu gehen.

Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit bei Österreich bedanken. Wir wurden hier die letzten 5 Jahre aufgenommen. Meine Kinder hatten Frieden. Sie sind hier glücklich weil sie keine Angst haben müssen ausgegrenzt zu werden. Sie konnten ohne Bedenken in die Schule gehen. Ich habe zwei Jahre bei der Gemeinde eine Beschäftigung gehabt. Mein Mann hat versucht, im Kindergarten eine Anstellung zu finden. Das hat aber nicht geklappt. Unser Bestreben war es, auf unseren eigenen Beinen zu stehen und niemandem zur Last zu fallen. In den letzten 5 Jahren haben sich meine Kinder hier schon integriert. Wenn wir jetzt von hier weggeschickt und abgeschoben werden, wird unsere Familie getrennt werden. Mein Mann und ich werden ins Gefängnis gehen. Mein älterer Sohn wird zur Armee müssen und mein jüngerer Sohn wird alleine zurückbleiben. Das macht mich sehr traurig. Ich haben Angst dass mein Sohn beim Präsenzdienst in der türkischen Armee wegen unserer Flucht nach Österreich ausgegrenzt und angegriffen wird und dass ihm was zustösst. Ich habe große Angst davor.

Falls wir von Österreich weggeschickt werden, bitte ich die Behörden uns nicht in die Türkei zu senden, sondern es zuzulassen, dass wir wo anders hin können. Bitte schickt uns nicht in die Türkei – dort ist unser Leben in Gefahr.

Ich bin seit 4 Wochen in einer sehr schwierigen Situation. Ich musste auch schon zum Arzt. Ich muss viele Medikamente gegen Depressionen nehmen. Ich habe Angstzustände. Als wir abgeholt wurden um abgeschoben zu werden hatte ich große Angst. Meine Kinder genauso. Ich möchte so bald wie möglich zu einem Psychologen. Meine Kinder brauchen auch Hilfe. Mein Sohn ist seit Wochen im Gefängnis. Mein Mann ebenso. Wir haben niemandem etwas getan. Wir wollen nur in Frieden und Freiheit leben.

Ich bedanke mich bei allen Freund*innen und Menschen die sich heute solidarisch mit uns zeigen. Ihr gebt uns Kraft und Hoffnung. Ich hoffe dass mein Kind und mein Mann aus der Schubhaft entlassen werden. Dass meine Kinder wieder zurück in die Schule gehen können. Dass mein Mann und ich arbeiten gehen können und ein halbwegs normales Leben haben können. Ich danke Euch allen. Ich hoffe, dass Eure Bemühen nicht umsonst sind.“

Impressionen der Kundgebung:

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