Kein Abfinden mit Jugendarbeitslosigkeit

Ein Kommentar von Niklas Böck, Bundesvorsitzender der Kommunistischen Jugend Österreichs

Es ist nichts Neues – Wir junge Menschen sind von den Auswirkungen der Krise stets am meisten betroffen. Dass sich aber über 71.000 Jugendliche mit ihrer Arbeitslosigkeit abfinden sollen, da ja jetzt „Corona ist“, wäre mehr als fatal.

In der Isolation der Pandemie dürfen wir nicht resignieren und schon gar nicht stumm abnicken, was uns diese Regierung des Kapitals hinwirft. Es ist nämlich keine „normale“ oder „natürliche“ Folge, dass junge Menschen von Betrieben kurzerhand gekündigt werden, während „die Wirtschaft“ ohnehin Milliarden an Förderungen bekommt. Es ist genau diese Logik, die Kurz, Kogler und Kocher in ihrer Politik anführen: Wirtschaftliche Einbußen sollen minimiert werden, auch wenn die Bekämpfung des Virus so nicht effektiv gehandhabt werden kann und von der hohen Arbeitslosigkeit im Land spricht schon bereits seit dem Sommer niemand mehr. Dass junge Menschen das letzte Mal in Vorkriegszeiten so massenhaft arbeitslos waren, sollte zu denken geben. Es ist dreist offensichtlich: es gibt kein Konzept, keine Strategie und keinen Willen, um gegen dieses schwerwiegende Problem vorzugehen. Lediglich liberale wirtschaftliche Reize werden gesetzt, punktuell soll der Konsum durch völlig verantwortungslose Handelsöffnungen angeheizt werden und das wird lang und breit diskutiert und als „notwendig“ dargestellt, Jugendarbeitslosigkeit aber ist auf den populären Pressekonferenzen kein Thema. Offenbar sind die Berater dieser Regierung nicht der Meinung, dass Arbeitslosigkeit eine zentrale gesellschaftliche Thematik ist, die in einem Programm bearbeitet gehört.

Was arbeitslos sein bedeutet, ist jenen, die ohne Job dastehen, zurzeit bewusster denn je. Zusätzlich zum Verlust des Einkommens, stehen all jene nicht nur ohne Arbeitsplatz, sondern auch ohne weitreichende Unterstützungen da. Eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes – wie sie KOMintern aktuell fordert – ist besonders für Jugendliche dringend notwendig, um sicherzustellen, dass dramatische soziale Abstürze verhindert werden können. Die psychische Komponente der strategielosen Lockdown-Perioden, sowie die allgemeinen, wirtschaftlichen Verheerungen am Arbeitsmarkt machen die Jobsuche aktuell schwerer denn je. In dieser Situation kommt es allzu oft vor, dass Junge tendenziell in prekäre Arbeit gezwungen werden. Diese Branchen haben häufig schlechte gewerkschaftliche Organisierung und verhüllen ihre ausbeuterischen Methoden, durch spaltende Kollektivverträge und neoliberale Segregation der KollegInnen. Lieferservice-Betriebe machen es aktuell besonders grauslich vor. Umso wichtiger auch und gerade in diesen Zeiten für jeden Betriebsrat und jeden fortschrittlichen Kollektivertrag zu kämpfen!

Arbeitslose – ob jung oder alt – einfach ohne politisches Konzept und Unterstützung in der Welt der Pandemie sich selbst zu überlassen ist die Selbstaufgabe des sogenannten „Sozialstaats“ Österreich und macht den aktiven Kampf um organisierte und solidarische Arbeit unabdingbar. Oder, um mit Brecht, der dieser Tage seinen 123. Geburtstag feiern würde, zu sprechen: Ändere die Welt, sie braucht es.


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