Super Thursday – KV-Verhandlungstag für halb Österreich

Bei Wahlen hat es sich eingebürgert, wenn sie auf denselben Tag zusammenfallen, sie mit dem Komparativ „Super-“ zu versehen und herauszuheben (bspw.: Superwahljahr, Superwahlsonntag, …). Das gleiche könnte man in Anlehnung auch für den heutigen KV-Verhandlungstag sagen, fallen doch die 3. Runde Metall, 2. Runde Eisenbahn und 1. Runde Handel heute zusammen. Ebenso weitere Branchen in denen es hakt, wie die Großbrauereien, verhandeln heute. Und tatsächlich geht es mit diesem gewerkschaftlichen Super Thursday für die Beschäftigten und die Gewerkschaften auch ums Eingemachte.

Vor eineinhalb Jahren, zu Beginn der Corona-Pandemie, noch als „HeldInnen des Alltags“ gefeiert und mit Applaus auf den Straßen und von Balkonen dafür bedacht, dass sie das öffentlichen Leben und unsere Grundversorgung am Laufen hielten, ist es heute merklich still um die Handelsbeschäftigten geworden.

Für einen kurzen Augenblick flackerten im damaligen Scheinwerferlicht auch die miserablen Löhne und Gehälter sowie schlechten, vielfach katastrophalen Arbeitsbedingungen und Belastungen dieser in vielen Sektoren vorwiegenden „Frauenbranche“ mit ihrer rund halben Million Beschäftigter auf. Allem voran im Lebensmittelhandel mit seinen 78% weiblicher Beschäftigter, die zudem überwiegend in Teilzeit bzw. „Zwangs-“Teilzeit arbeiten und in einer Vielfalt struktureller Benachteiligung stehen.

Dem nicht genug, ziehen zu den ohnehin schon rigoros flexibilisierten Arbeitsverhältnissen im Handel, noch immer entgrenztere Arbeitszeiten ein. So werden – wie Anita Palkovich, Chefverhandlerin der GPA, hinsichtlich der teils regelrecht unwürdigen Praxen in der Branche drastisch hervorhebt – , Beschäftigte immer früher in die Filialen beordert, um Einkäufe ab sechs Uhr morgens zu ermöglichen. Parallel werden für Aktionstage bereits um zwei oder drei Uhr Nachts die Regale bestückt und im Akkord Wurstplatten für die Öffnungszeit belegt. Hinzu zu dieser völligen Entgrenzung der Arbeit kommen begleitend noch besonders miese Zuschlagsregelungen der Mehr- und Nachtarbeit im Handel.

Der Handelsverband und dessen Sprecher, SPAR-Chef  Fritz Poppmeier, beschwören freilich pünktlich zu KV-Runden Beginn dessen alljährliche Katerstimmung. Dabei gehört gerade der Lebensmittelhandel zu den Krisengewinnlern der hinter uns liegenden Wirtschafts- und Coronakrise, der satte Sonder-Profite einfuhr. Entsprechend sank auch die Gewinnausschüttung der Branche lediglich um mickrige vier Prozent. Und das von einem Niveau, welches zahlreiche große Handelsketten und bekannte Flaggschiffe der Branche vor 2020 um zuletzt sagehafte 20% an Dividenden-Ausschüttungen an die Anteilseigner erhöht haben.

Die Kapitalgesellschaften im Handel haben aber 2020 auch insgesamt einen stabilen Jahresüberschuss erzielt. Nicht zuletzt dank der aus dem Fiskus finanzierten Kurzarbeit und Corona-Hilfen. Ja, mit Corona-Unternehmenssubventionen von fast 5% des BIP, steht Österreich sogar an der einsamen Spitze der EU, was die staatlichen Ausschüttungen an das Kapital betrifft. Im relativen Vergleich mit etwa Deutschland beliefen sich diese Subventionen sogar auf das sage und schreibe 3fache.

Zugleich ist auch der Konjunkturmotor wieder angesprungen und finden wir uns inmitten eines steilen Wirtschaftswachstums von heuer deutlich über 4% und prognostizierten 5% im nächsten Jahr.

Umgekehrt ist auch die von manch ÖkonomInnen schon fast totgesagte Inflation zurück. Die Teuerungen ziehen wieder stark an. Aktuell kletterten die Preise im Monats-Jahresvergleich mit 3,3% gerade auf ein Zehnjahreshoch. Und das WIFO prognostizierte gestern eine bevorstehende Jahresinflation von knapp 3%. Um noch ein gutes Stück mehr zogen die für einfache Beschäftigtenhaushalte nochmals viel aussagekräftigeren Preise der Güter des täglichen Bedarfs an. Die GPA legt den Lohnverhandlungen eine (im KV-Kontext zurückliegende) Inflationsrate in der Höhe von 2,1 Prozent zugrunde.

Die einstig großspurig angekündigten Sofortprämien wie der Corona-1.000er, verbindliche Gefahrenzulagen sind (abgesehen von werbewirksamen freiwillige Brosamen) ebenso großspuriger Schnee von gestern wie die unumgängliche Aufwertung dieser wahrhaft systemrelevanten Sektoren durch kräftige Lohnerhöhungen und mittelfristige Schließung der sektoralen Lohnspreizungen, weitreichende Arbeitszeitverkürzung und umfassende Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, sowie ein leichterer Zugang zur 6. Urlaubswoche in dieser zudem stark von, mehrheitlich weiblichen, Fluktuationen gekennzeichneten Branche.

Während der Handelsverband auf eine neuerliche billige Abspeisung der Beschäftigten drängt, ist zur bekannten Misere der Arbeit im Handel – aufgrund der dem österreichischen Handel aktuell auch rund 20.000 Mitarbeiter fehlen –, denn auch nochmals in Erinnerung zu rufen, dass es in der Tat gerade auch die Heldinnen, darunter nicht zuletzt zahlreiche migrantische, im Lebensmittelhandel und anderen Handelssparten, waren, die unsere Grundversorgung und das öffentliche Leben in der Pandemie unter nochmals erschwerten Arbeitsbedingungen aufrecht erhielten und einer verstärken Ansteckungsgefahr ausgesetzt waren und sind.

Am heutigen „KV Super Thursday“ sind zur ersten Handels-KV-Runde gleichzeitig auch die traditionell kampfkräftigen gewerkschaftlichen Zugpferde Metall und Eisenbahn in Verhandlungsrunden. Vor dem Hintergrund dieser KV-Front gilt es nun in geballter Kampfkraft Tacheles zu reden und entsprechende Ergebnisse für die Beschäftigten zu erwirken.

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