Arbeitslosigkeit in Österreich: Der Arbeitsmarkt ist in der Krise gänzlich aus den Fugen geraten

Im Jahr 2020 hat die Corona-Pandemie auf dem Arbeitsmarkt tiefe Krater hinterlassen. Auch wenn viel über die Kurzarbeitsregelung abgefedert werden konnte (Höchststand von 1,4 Mio. Beschäftigten in Kurzarbeit Anfang Juni), explodierten die Arbeitslosenzahlen bereits mit dem ersten Lockdown im Frühjahr.

Im Jahresdurchschnitt stieg die Anzahl der Arbeitslosen (ohne Schulungsteilnehmer*innen) österreichweit um + 108.312 auf 409.639 Personen stark an, davon 185.670 Frauen und 223.969 Männer. Das bedeutete einen Anstieg der Arbeitslosen um mehr als ein Drittel (+ 35,9 %). Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um + 2,6 Prozentpunkte auf 9,9 % und übertraf damit die bisherigen Rekordjahre 2015 und 2016 mit jeweils 9,1 % deutlich. Gleichzeitig ging die Anzahl der Schulungsteilnehmer*innen gegenüber 2019 um – 4.853 auf 57.107 zurück. Die Anzahl der beim AMS gemeldeten offenen Stellen verringerte sich im Jahresdurchschnitt um – 14.261 auf 62.833. Damit stieg die Stellenandrangziffer, d.h. das Verhältnis zwischen beim AMS gemeldeten arbeitslosen Personen und beim AMS gemeldeten offenen Stellen, um +66,8 % auf 6,5. Das bedeutet, dass unabhängig von Ausbildung, Berufswunsch oder Wohnort auf eine beim AMS gemeldete offene Stelle mehr als sechs Arbeitssuchende fallen.

Werden die Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer*innen gemeinsam betrachtet, ergab sich ein Anstieg um + 103.459 Personen. Bei den Frauen betrug der Anstieg + 48.844, bei den Männern + 54.615. Nach Branchen ergaben sich die höchsten absoluten Zuwächse der Arbeitslosen inklusive Schulungsteilnehmer*innen in der Beherbergung und Gastronomie, in der Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, die den Leiharbeitsbereich umfasst und in der Branche Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen.

Abbildung 1, Quelle: Arbeitsmarktdatenbank

Die höchsten Zuwachsraten der arbeitslosen Frauen und Schulungsteilnehmerinnen waren bei den Hotel- und Gaststättenberufen (u.a. Kellnerinnen, Büffet- und Schankkräfte, Stubenmädchen und Hotelportierinnen), den Händlerinnen bzw. Ein- und Verkäuferinnen sowie bei den Gebäudereinigerinnen zu beobachten. Bei den Männern stieg die Anzahl der Betroffenen u.a. bei den Köchen und Küchengehilfen, den Hilfsberufen allgemeiner Art (Magazin- und Lagerarbeiter, Warensortierer und Warenverpacker, Warenzusteller, etc.) sowie bei den Bauberufen am stärksten an. In nochmals zusätzlich besonderem Maß traf betraf und trifft die endgültig aus den Fugen geratene Arbeitslosigkeit KollegInnen mit Migrationshintergrund.

Abbildung 2, Quelle: Arbeitsmarktdatenbank

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