Keine Nulllohnrunde als Gegenleistung für die 35-Stunden-Woche!

Die alljährlichen Lohn- und Gehaltsverhandlungen für den Gesundheits- und Sozialbereich stehen vor der Tür. Die verschiedenen Kollektivverträge für die Branche (SWÖ, Caritas, Diakonie und viele mehr) werden wohl wieder getrennt voneinander ausverhandelt werden. Wir denken, dass ein gemeinsamens Auftreten von den Forderungen übers Verhandeln bis zu gemeinsamen Aktionen der richtige Weg wäre. Denn längerfristig braucht es einen gemeinsamen Kollektivvertrag für alle Beschäftigten im privaten Sozial-, Gesundheits- und Pflegebereich. Als ersten Schritt sollten sich heuer die Verhandler*innen der verschiedenen Kollektivverträge abstimmen, ein gemeinsames Forderungspaket aufstellen und gemeinsam durchsetzten. Plus 6%, die 35-Stunden-Woche und die 6. Urlaubswoche wären für alle von uns gut und wurden letztes Jahr z.B. schon für den SWÖ und den Caritas Kollektivvertrag gemeinsam gefordert. 

Die Betriebsrät*innen des Wirtschaftsbereiches 17 (zuständig für den SWÖ-Kollektivvertrag) sind gerade dabei ihre Anliegen für dieses Jahr festzulegen. Ersten Informationen zufolge soll der Schwerpunkt auf der Einführung der 35-Stunden-Woche liegen. Doch was uns sonst von den Vorbereitungen zu Ohren kommt, irritiert uns zutiefst: Als Gegenleistung für diese Arbeitszeitreduktion soll den Geschäftführer*innen eine Nulllohnrunde angeboten werden! 

In einer Branche, deren Löhne noch immer weit unter dem österreichischen Durchschnitt liegen, ist dies unserer Meinung das falsche Signal! Wir sehen zwar, dass eine Arbeitszeitreduktion bei vollem Lohnausgleich zu einer Erhöhung der Stundenlöhne führt, doch würde sie bei einer gleichzeitigen Nulllohnrunde z.B. bei Vollzeitanstellungen zu Reallohnverlusten führen. Auch stellt sich für uns die Frage, was denn die Verhandlungstaktik dahinter ist, von Anfang an möglichst wenig zu fordern. Wer wenig fordert, wird nur noch weniger bekommen! 

Genau deswegen fordern wir: 
• 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich
• 6%  Lohnplus 
• Anrechnung von 20 Jahren Vordienstzeiten 
• 6 Urlaubswochen für alle 

Darüber hinaus wollen wir hier auch unsere Forderung nach einer Urabstimmung über jedes Verhandlungsergebnis betonen. Vertreter*innen der Gewerkschaften verhandeln über unsere Lohn- und Gehaltserhöhung und unsere Arbeitsbedingungen, doch bei Streiks und anderen Aktionen tragen wir als Beschäftigte mit unserer Beteiligung und Mobilisierung die Verantwortung und auch ein Risiko. Gerade die vorzeitigen Streikabrüche der letzten zwei Jahre, welche an der Basis heiß diskutiert wurden, wären eine gute Gelegenheit gewesen um zu fragen: Sollen wir dieses Ergebnis annehmen oder für ein besseres (weiter) streiken? 

Falls es wirklich dieses Jahr zu einer Nulllohnrunde als Opfer für eine Arbeitszeitverkürzung kommen sollte, führt unserer Meinung nach an einer Urabstimmung kein Weg vorbei! 

Die 35-Stunden-Woche ist eine wichtige Forderung und in unserem schwierigen, oft unterbesetzen Bereich eine absolute Notwendigkeit. Doch wir können nachvollziehen, wenn manche Beschäftigte der 35-Stunden-Woche ablehnend gegenüberstehen, sollte diese durch Nulllohnrunden und Arbeitsverdichtung erkauft werden. Deswegen sprechen wir uns klar gegen eine Nulllohnrunde aus und wollen noch einmal die Wichtigkeit betonen, gemeinsam für ein notwendiges Forderungspaket aus Arbeitszeitverkürzung UND Gehaltserhöhung zu kämpfen! 

Text via Sozial aber nicht blöd

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