Gräuel der türkischen Luftwaffe gegen Jugendliche: Von Roboskî nach Kobanê

Fast exakt zum Jahrestag des Massakers von Roboski vor 10 Jahren killte die türkische Luftwaffe Erdoğans mit einem gezielten bewaffneten Drohnenangriff auf die symbolträchtige kurdische Stadt Kobanê an der Südgrenze der Türkei erneut fünf junge KurdInnen – drei Frauen und zwei Männer, allesamt im Jugendalter. Vier weitere Verletzte befinden sich zur Behandlung im Krankenhaus.

Vor genau 10 Jahren, am 28.12. 2011, zerbomte die türkische Luftwaffe 34 junge kurdische Zivilisten, darunter 18 Kinder, das jüngste gerade einmal 12 Jahre alt. Wie kein anderes Land stehen die Türkei und Kurden-Schlächter Erdoğan für die Diskriminierung, Verfolgung, Unterdrückung und Vernichtung der KurdInnen. Mit Beihilfe der Informationen einer US-amerikanischen Drohne vom Typ „Predator“ über Bewegungen am türkisch-irakischen Grenzgebiet, die seitens der USA an den NATO-Partner übermittelt wurden, nahmen vier türkische F-16-Kampfjets unmittelbar Kurs auf zivile DorfbewohnerInnen, die auf Eseln Waren transportierten, und fackelten nicht lange. Obwohl sich umgehend herausstellte, dass es sich bei den Ermordeten um eine Gruppe junger Zivilisten handelte die vom Grenzhandel lebten, lehnte das AKP-Regime jede Entschuldigung für das Massaker ab und strengte stattdessen vielmehr immer weitere Prozesse gegen die Angehörigen der Opfer an. Gegen 34 Personen wurde etwa Anklage wegen ihres damaligen Protests gegen Landrat Naif Yavuz erhoben. Die Vorwürfe lauten nach Strickmuster am Bosporus auf „Organisationspropaganda, Beleidigung der Armee und Mordversuch“. Weitere 16 Angehörige sind angeklagt, weil sie an einer Gedenkveranstaltung teilgenommen haben. Das Urteil wird für Jänner erwartet.

Der prominenteste Angehörige ist sicherlich der spätere HDP-Abgeordneten Ferhat Encü. Dieser verlor durch den Luftangriff seinen Bruder und zahlreiche weitere Verwandte. Nach dem Bombardement brach er sein Studium ab und ging in die Politik. Für die linke, pro-kurdische Demokratische Partei der Völker (HDP) – die als stärkste linke und parlamentarische Opposition in der Türkei heute vor dem Verbot steht – zog er 2015 ins türkische Parlament ein. Im November 2016 wurde er dann wie so viele andere wegen angeblicher »Unterstützung des Terrorismus« verhaftet, nach drei Monaten freigelassen, um dann im Februar 2017 erneut festgenommen zu werden. Im Februar 2018 wurde ihm – wie zahlreichen anderen HDP-ParlamentarierInnen – sein Abgeordnetenmandat aberkannt. Erst im Juni 2019 wurde er schließlich aus der Haft entlassen.

Bei den nunmehr Ermordeten handelt es sich um die jungen kurdischen AktivistInnen Nûjiyan Ocalan, Viyan Kobanê, Rojîn Ehmed Îsa, Mirhef Xelîl Îbrahîm und Welid Mihemmed Menle.

Während die Türkei ihren dreckigen Drohnenkrieg, ihre völkerrechtswidrigen Luftangriffe und Kriegsverbrechen – für den ihr die Großmächte die Lufträume geöffnet haben –, unbeachtet von der internationalen Öffentlichkeit unbeirrt fortsetzt, fordern die kurdische Freiheitsbewegung und ihre Verbündeten ein nachdrückliches Stopp des Kriegs gegen Kurdistan, Gerechtigkeit für die Opfer und kündigten die Revolutionäre Jugendbewegung und der Verband junger Frauen, in deren Reihen die gezielt extralegal hingerichteten Jugendlichen aktiv waren, Vergeltung für den Tod ihrer Mitglieder an.

Umso schmerzlicher wird die Stimme des eben verstorbenen, unbeugsamen Desmond Tutu fehlen, der nicht nur während des IS-Angriffs auf Kobanê 2014 klar Position für die kurdische Seite bezog, sondern noch diesen April einen Brief der Kampagne „Frieden in Kurdistan“ unterzeichnete und in standhafter Solidarität mit dem kurdischen Volk sowie für einen gerechten Frieden für Kurdistan stand.

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