Entwaldung und internationaler Handel landwirtschaftlicher Produkte

Jährlich geht mit ungefähr 10 Millionen Hektar weltweit mehr als die gesamte Fläche Österreichs an Wald verloren. Seit 1990 ergibt sich daraus eine Summe von 420 Million Hektar Wald, die einer Landnutzungsveränderung zum Opfer fiel. Vor allem tropische Wälder mit hohem Kohlenstoffgehalt und großer biologischer Vielfalt werden der Ausdehnung landwirtschaftlicher Nutzflächen geopfert.

Der Großteil dieser Landnutzungsveränderung geht auf lokale Konsumausdehnung zurück, der Anteil des Waldverlusts aufgrund international gehandelter Waren steigt allerdings deutlich. Abgesehen von den generellen Auswirkungen auf den Klimawandel und die Artenvielfalt ergeben sich daraus eine ungleiche Verteilung des Nutzens und der negativen Folgen entlang globalisierter Lieferketten.

1,6 Mrd. Menschen sind direkt von intakten Wäldern abhängig. Sie sind auf Wälder angewiesen, um sich mit Nahrungsmitteln, medizinischen Pflanzen und Brennholz zu versorgen sowie um Einkommen zu erzielen. Im globalen Süden tragen Wälder in Form von Baumaterial oder Energiequelle zu mehr als einem Fünftel der Haushaltseinkommen bei. Oft werden damit Schulgebühren bezahlt. Mehr als drei Viertel des weltweiten Frischwassers wird in Wäldern gespeichert und gefiltert. Die voranschreitende Umweltzerstörung, Vernichtung ursprünglicher Lebensräume und der Verlust an Artenvielfalt ist darüber hinaus ein Hauptgrund für das Ausbrechen zoonotischer Krankheiten wie COVID-19.

Entwaldung und andere Landnutzungsänderungen beeinflussen direkt und indirekt andere planetare Grenzen:

  • Die Integrität der Biosphäre wird durch Verlust von Lebensraum gefährdet. Mehr als 80 % aller an Land lebenden Tiere, Pflanzen und Insekten sind in Wäldern zu finden, davon die meisten in tropischen Wäldern. Auf das menschliche Wohlbefinden wirkt dies u.a. über Fruchtbarkeit der Böden, Blütenbestäubung, Nährstoffkreislauf und Wasserressourcen.
  • Negativ auf den Klimawandel wirken Bodenerosion oder Verbrennung von Biomasse. Wälder entziehen der Atmosphäre aktiv Kohlendioxid und speichern es in Pflanzen und Böden. Sie sind der größte Kohlenstoffspeicher an Land. Zwischen 2007 und 2018 steuerte der tropische Waldverlust 4,8 Gigatonnen CO2 pro Jahr an Treibhausgasemissionen bei, 12,7 % der gesamten Treibausgasemissionen.
  • Biochemische Kreisläufe werden durch exzessive Verwendung von Agrochemikalien überlastet.

Direkter Treiber der Entwaldung ist v.a. die Ausweitung landwirtschaftlich genutzter Flächen, zumeist auf Kosten von tropischen Wäldern. Zwischen 2000 und 2010 war die kommerzielle und industrialisierte Landwirtschaft insbesondere in Latein Amerika und Asien für 40 % der tropischen Entwaldung verantwortlich. Lokale Subsistenzlandwirtschaft spielt v.a. in Sub-Sahara-Afrika eine wesentliche Rolle. Weiters zählen noch städtische Entwicklung, Infrastruktur und Bergbau zu den wichtigsten direkten Ursachen für Entwaldung. Indirekt wirken veränderte Produktions- und Konsummuster, Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum, Handel sowie technologische Innovation auf veränderte Landnutzung. Zusammen steigern sie die globale Energie- und Materialnachfrage, die sich zwischen Regionen und gesellschaftlichen Schichten sehr stark unterscheidet. Nutzen und Kosten sind sehr ungleich verteilt. Zunehmend fallen die sozialen und ökologischen Kosten in Regionen an, die weit von jenen der gesteigerten Konsummöglichkeiten entfernt sind.

Zwischen 1986 und 2013 reduzierten sich die globalen Treibhausgasemissionen aufgrund von Entwaldung um – 18,3 % auf 4,37 Gigatonnen CO2-Äquivalente jährlich. Der Anteil jener Treibhausgasemissionen aus Entwaldung, die international gehandelten Waren zuzuordnen sind, stieg allerdings um + 22,7 % auf 1,09 Gigatonnen CO2-Äquivalente und machte 2013 somit ein Viertel der so entstanden Treibhausgasemissionen aus. Insgesamt waren 2013 12,7 % der globalen Treibhausgasemissionen auf Entwaldung zurückzuführen. Die Länder mit den höchsten Anteilen an konsumbasierten Treibhausgasemissionen aus Entwaldung waren Brasilien (18,1 %), China (12,0 %), Indonesien (9,3 %) und die EU-27 (6,0 %). Die EU-27 waren mit einem Anteil von 35,6 % der größte Nettoimporteur von Treibhausgasemissionen aus Entwaldung, erst mit großem Abstand und einem Anteil von 11,6 % waren die USA am zweiten Platz zu finden.

Ölfrüchte, v.a. Sojabohnen als Futtermittel und Ölpalmenfrüchte für Palmöl stellen für die EU-27 und China die entwaldungsintensivsten Importe dar. Sie werden überwiegend in Brasilien, aber auch in Indonesien und weiteren Lateinamerikanischen Ländern angebaut und sind dort eine wesentliche Ursache für Entwaldung. Der Anbau von Kaffee, Tee und Kakao ist eine über die Länder breiter gestreute Ursache für Entwaldung. Tabak und Gummi führen in Indonesien und Malaysia zu Waldrodungen (Abbildung unten).

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