Die PAME (Kämpferische Arbeiterfront) in Hellas: Wo es noch Klassenkampf gibt!

Die Jahre sich abwechselnder und verschleißender sozialdemokratischer oder konservativer Kabinette, sowie die reformistisch pro-europäische SYRIZA-Regierung und EU-Krisenpolitik, haben in Griechenland das Kollektivvertragssystem und Arbeitsrecht regelrecht zertrümmert. Gleichwohl gibt es in Hellas auch ermutigende Beispiele erfolgreicher Arbeitskämpfe. Und dies ist angesichts des von der Nea Dimokratia (ND) gerade auf den Weg gebrachten monströsen neuen Arbeitsgesetzes auch bitter nötig. Zumal in der Langzeitoffensive des Kapitals immer weniger Arbeitskämpfe und Streiks gewonnen werden – so sie überhaupt noch geführt werden. Entsprechend liegt denn etwa auch einer der letzten länderübergreifend im offensiven Kampf errungenen Erfolge – die Versenkung der einstigen EU-Hafenarbeiterrichtline (Port Packag II) – bereits eineinhalb Jahrzehnte zurück.

Aber in genau diesem Sektor verzeichnete die PAME im Land der Reeder und Werftunternehmer vor gut dreieinhalb Jahren im harten Klassenkampf abermals einen bedeutenden Erfolg. Der letzte KV-Abschluss für die Schiffsreparaturbranche lag bis Herbst 2017 beinahe 10 Jahre zurück. Im November 2017gelang es der Gewerkschaft Metall Attikas und Schiffbauindustrie Griechenlands – Mitgliedder kommunistischen Gewerkschaftsfront PAME (Kämpferische Arbeiterfront) –, jedoch, nach einem seit Anfang 2017 andauernden vielseitigen Kampf, mit den Arbeitgebern der Schiffbauindustrie in Griechenland einen neuen Kollektivvertrag zu unterzeichnen.

Der Abschlussdes Tarifvertrages ist das Ergebnis eines harten, neunmonatigen Arbeitskampfes, der die große Mehrheit der Arbeiter im Schiffbausektor versammelte. Die auf dem Trümmerhaufen des neoliberalen Tsunamis thronenden Werftunternehmer Hellas’, verweigerten zunächst jede Verhandlung eines erneuten KV. Um den dafür notwendigen Druck zu erzeugen und die Arbeitenden auf breiter Front in den Kampf zu führen, entfaltete die Gewerkschaft Metall Attikas und Schiffbauindustrie mit Rollstreiks und Versammlungen an den Arbeitsstätten daher die Kampagne: „Ich lehne es ab, wie ein Sklave zu arbeiten, ich will arbeiten und meine Bedürfnisse abdecken“. „Gleichzeitig“, so ihr Vorsitzender S. Poulikogianni, „luden wir vor jeder Mobilisierung und zu ihrer Organisation zur Generalversammlung der Gewerkschaft ein und nachher zu ihrer Beurteilung.“ Auf diese Weise gelang es dem Verband bzw. der PAMEschließlich, in aktiver Einbeziehung und Mobilisierung der Werktätigen, die erforderliche Kampfkraft zu entwickeln und in der Auseinandersetzung beständig die Schlagzahl zu erhöhen. Mittels eines gebündelten Straußes an Kampfformen konnten die Kräfteverhältnisse entscheidend verschoben werden: Mit Arbeitsniederlegungen und Streikkämpfen, Arbeitnehmertreffen an den Arbeitsplätzen und Generalversammlungen der Branche unter Beteiligung von Gewerkschaften von Metallarbeitern aus anderen Ländern (wie der Türkei) gemeinsame Aktionen mit Volkskomitees und anderen Gewerkschaften in den Wohnvierteln, in denen Metallarbeiter leben, sowie Protesten, Besetzungen und andere Aktionen beim griechischen Arbeitsministerium und anderen staatlichen Organisationen.

Dies vermochten auch die vielfältigen Gegenmaßnahmen von Kapitalseite, unverhohlenen Drohungen der damaligen vermeintlichen Vorzeigeregierung der reformistisch pro-europäischen Linken unter Alexis Tsipras und gewerkschaftspolitische Störfeuer nicht zu verhindern.  Ob das übliche Repertoire der medialen Verleumdung des Klassenkampfs, flankiert noch um die Drohungen der SYRIZA-ANEL-Koalition, dass denjenigen unerbittlich begegnet wird, die den Deal mit COSCO stören würden (den mehrheitlichen Verkauf des Hafens von Piräus an eine chinesische Reederei). Oder der Versuch,Gewerkschafter der SYRIZA einzusetzen, um die Einheit der Arbeiter zu brechen und eine separate Gewerkschaft zu bilden. Respektive die Manöver des „sozialpartnerschaftlich“ ausgerichteten Panhellenischen Metallgewerkschaftsbundes POEM, dessen Mehrheitskräfte – PASKE (sozialdemokratisch, PASOK) und DAKE (konservativ, ND) –  es ablehnten, den Kampf um den KV mit der Wiedererlangung der Verluste der letzten Jahre zu verbinden. Stattdessen stimmten sie in den Chor der Unternehmer ein und forderten von den Werktätigen, ihre Forderung nach entsprechenden Gehaltserhöhungen aufzugeben um die „Wettbewerbsfähigkeit der Industrie“ zu unterstützen. Oder sei es, als diese Taktik scheiterte, die offene Finanzierung und Mobilisierung der Faschisten der Goldenen Morgenröte durch die Arbeitgeber, um die Beschäftigten einzuschüchtern und der kämpferischen Arbeiterfront den Garaus zu mache. Entsprechend erklärten die braunen Stoßtrupps des Kapitals denn auch: sie würden die „PAME zerstören“.

Aber weder auf die eine, noch auf die andere Weise ließ sich die Streikfront der standhaften griechischen Werftarbeiter durchlöchern und das Erreichen eines zufrieden stellenden Kollektivvertrags torpedieren. Eines KV, der vor seiner Unterzeichnung zudem erst noch auf einer von der Gewerkschaft einberufenen Generalversammlung der Werktätigen im Schiffsbausektor zur breiten Erörterung und Billigung stand.Mit diesem Tarifabschlussgelang es, nach Jahren der „eingefrorenen“ Löhne, wieder bedeutende Lohnzuwächse (für die große Mehrheit der Branche von damals rd. 20%, für die Niedriglohnbereiche noch deutlich darüber hinaus) durchzusetzen. Der 7-Stunden-Tag, die 5 Tage- und 35-Stunden-Woche wurden wieder garantiert. Ebenso das freie Wochenendeund die für die gleichermaßen anstrengende wie gefährliche Arbeit unabdingbaren Sicherheits- undSchutzmaßnahmen.Und zum überhaupt ersten Mal konnte in tobender Klassenschlacht erreicht werden, das 13. und 14. Monatsgehalt auch im Kollektivvertrag abzusichern.

Was einmal mehr vor Augen führt: Selbst unter schwierigsten Bedingungen – so denn auch das Resümee der PAME –, kann es den Arbeitenden „die organisiert, konsequent und standhaft agieren gelingen, die Verhältnisse zu verändern und die Wiederherstellung ihrer Rechte zu erreichen“. Dafür gilt es den ökonomisch Herrschenden und ihren politisch regierenden Eliten allerdings einen konsequenten gewerkschaftlichen Widerstand und Klassenkampf entgegenzusetzen! Und die Erfahrungen aus den Ländern, Regionen und Sektoren in denen es noch Klassenkampf gibt zu beherzigen.

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