Brandstifter Recep Tayyip Erdoğan

In den Süd-Ländern der EU und in der Türkei wüten seit Tagen verheerende Waldbrände. In allen Ländern zeigt sich zugleich ein tödlicher Mangel an Brand- und Katastrophenprophylaxe und -Ausrüstung. Allen voran in der Türkei, die zwar über hunderte Kampfjets, aber keine brauchbaren Löschflugzeuge verfügt. Um von alledem abzulenken kriminalisiert Ankara vielmehr Selbsthilfe-Initiativen und versucht selbst noch das Flammeninferno in gewohnter Art und Weise ihren alten Feinden ans Zeug zu flicken: die Verantwortung für die Brände trügen (wie kann es am Bosporus anders sein) die KurdInnen, die oppositionelle HDP und vor allem die Guerilla der PKK wie mit ihr verbündete kommunistische Einheiten. Die Propaganda aus dem „Palast“ liest sich mehr und mehr wie Auszüge aus Kafkas Schloss.

Neben dem immer spürbarer werdenden Klimawandel, spekulationsgetriebenen Brandstiftungen und Folgen der jahrzehntelangen neoliberalen Austeritätspolitik für den  Zivilschutz,  fungiert gerade seitens der Türkei die gezielte Natur- und Umweltzerstörung auch als probates Kriegsmittel.

Brandstiftung und Naturzerstörung als probates Kriegsmittel Ankaras

Entgegen der AKP/MHP-Propaganda werden umgekehrt im Krieg gegen Kurdistan Wälder und Felder systematisch durch die Türkei abgebrannt. Grenzen übergreifend bedient sich der türkische Faschismus dabei auch in Rojava gezielt der Naturzerstörung, um mit Wasserknappheit, Bränden und Ernteeinbußen das Selbstverwaltungs-Projekt in Nord- und Ostsyrien an der türkischen Südgrenze auch auf diesem Weg zu destabilisieren und in die Knie zu zwingen – und der Guerilla ihr Terrain abzufackeln.

Letzten Aspekt betreffend hat türkische Armee in der Omerya-Region bei Nisêbîn gerade begleitend zu ihrer Militäroperation bewusst einen Eichenwald in Brand gesteckt. Aus vorgeblichen “Sicherheitsgründen” wurde parallel über Stunden die Brandbekämpfung verhindert. Gezielte Brandstiftungen sind ein gängiges und wieder zunehmendes Kriegsmittel im Arsenal der Militär- und Außenpolitik sowie der Aufstandsbekämpfung Ankaras. Entsprechend erklärten kurdische Medien jüngst auch: „Jedes Jahr lodern in Nordkurdistan verheerende Brände, die tausende Hektar Wald und Anbaufläche verschlingen. Insbesondere seitdem die türkische Regierung 2015 die Friedensgespräche mit der PKK einseitig abbrach, lässt sie die Wälder in den kurdischen Gebieten wieder systematisch niederbrennen. Das ist Teil der seit der Staatsgründung 1923 in Kurdistan gültigen Aufstandsbekämpfung und Vertreibungspolitik.“

Die ökologischen Verheerungen gegen die Lebensgrundlagen Rojavas

Rojava selbst hat zudem noch die ökologischen und ökonomischen Folgewirkungen jahrzehntelanger Abhängigkeit und Ressourcenausbeutung zu tragen. Im Interesse der vormals Herrschenden wurde die Wälder der Region systematisch abgeholzt und fielen der wirtschaftlichen Ausrichtung auf Monokulturen zum Opfer. Jahrzehntelang war es in den westkurdischen Gebieten verboten Bäume zu pflanzen. Die Böden und Gewässer wurden auf vielfältige Weise, nicht zuletzt durch den massiven Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft, schwerst belastet.

Erst die Rojava-Revolution beendete diesen Raubbau und stellte untrennbar mit ihrem Emanzipations- und Freiheitskampf zugleich die ökologische Frage ins Zentrum.

Dabei hat sich die Region seit Beginn an allerdings der als gezielte Kriegsmittel eingesetzten Umweltzerstörung durch die Türkei und den IS zu erwehren. Neben den ständigen militärischen Angriffen und Interventionen, sowie der Besetzung weiter Territorien Nord-Ostsyriens durch die Türkei und einem totalen wirtschaftlichen Embargo, bedient sich die Türkei insbesondere der Staudämme als Waffe. Aufgrund der massiven Wasserentnahme und aus politischem Kalkül gegen die Selbstverwaltungsgebiete in Nordsyrien gibt es seit Jahren einen dramatischen Rückgang der Wassermengen der nach Rojava fließenden Flüsse – allem voran der beiden für die Region zentralen Flüsse des Xaburs und Euphrats – und ein stetes Absinken des Grundwasserspiegels. Mittels gezielter Ableitungen sollen die kurdisch geprägten Selbstverwaltungsgebiete trocken gelegt werden. Beide Lebensadern der Region (und darüber hinaus) sind heute auf einem historischen Tiefstand abgesunken. Die türkische Wasserpolitik führt über die dadurch verursachten schweren landwirtschaftlichen Nutzungsprobleme in den ohnedies schon von Dürren geplagten Gebieten aber auch zu einer bedrohlichen Trinkwasserverknappung. Dieser Mangel an sauberen Wasser paart sich seit dem Vorjahr zumal noch mit den Hygiene-Herausforderungen gegen die Corona-Pandemie. Verschärft wird die Misere darüber hinaus durch gezielte Sabotageangriffe von türkischen Spezialeinheiten resp. ihrer djihadistischen Verbündeten auf Wasserwerke und Pumpstationen.

Parallel haben die Mörderbanden des IS auf ihren Rückzügen systematisch Brunnen in der Region vergiftet, zahlreiche Lebensadern und riesige Mengen an Öl in Brand gesteckt, sowie zahllose Wasserzuflüsse verschlossen. Zu alldem noch hinzu ist es wie herausgestellt nicht erst seit der immer tieferen Hegemoniekrise des Regimes, sondern seit Jahren gängige Praxis des türkischen Militärs, bestehende Wälder in den kurdischen Regionen der Türkei bis Syrien abzubrennen. Ein zum bisher Genanntem zusätzliches Ziele dabei ist, den Menschen in den Kurdenregionen die Lebensgrundlagen, sowohl ökonomisch als auch ökologisch zu nehmen und sie dadurch zum Umsiedeln zu zwingen.

Lodernde Wälder – mangelndes Equipment, fehlende Löschflugzeuge und keinerlei Prophylaxe

„Weshalb die Löscharbeiten” – auch in den für die Türkei so wichtigen Tourismushotspots –  “so schleppend laufen”, so Emre Sahin in der jw zurecht, “dürfte zwar einerseits ähnlich wie in Griechenland und Italien an extremer Hitze, Trockenheit und starken Winden liegen. Andererseits trug auch die Inkompetenz der AKP-Regierung dazu bei: Sie hat in ihrer knapp 20jährigen Herrschaft keinerlei Vorbereitungen getroffen, das Land hat bis vor einigen Tagen nur drei geliehene veraltete Löschflugzeuge gehabt. Als einziger G20-Staat hat die Türkei noch immer nicht das Pariser Klimaabkommen ratifiziert. Staudämme, Hochhäuser, Brücken und Privatisierungen haben in der Türkei und in Kurdistan ganze Landschaften zerstört.”

Das Umweltdesaster als zudem politisch befeuerter Kollateralschaden

Im wahrsten Sinn des Wortes befeuert wird das Umweltdesaster noch durch die rigide Absetzung der HDP-Bürgermeister in der Türkei/Nordkurdistan. Denn durch das System der Zwangsverwalter wird in der Türkei/Nordkurdistan nicht bloß der Krieg systematisiert und in dessen Zuge die Natur und die Umwelt weiter zerstört. Die HDP-Gemeinden in der Türkei/Nordkurdistan hatten zuvor sehr wichtige Versuche gezielter ökologischer Landwirtschaft gestartet, mehrere Projekte zur Aufforstung von Wäldern und ökologischen Parks in Städten in Gang gesetzt, oder auch Recyclingprogramme vor allem in Bezug auf Abfallvermeidung sowie bei Nutzung von Abwässern und etc. gestartet. Mit der Zwangsverwaltung wurden auch diese kassiert und das Feld wieder den blanken Profitinteressen heimischer und multinationaler Konzerne anheimgegeben.

Zur Abrundung des tatsächlichen Bildes seien abschließend freilich auch noch Hasankeyf, Munzur oder die Kaz Berge erwähnt. Durch die Vernichtung dieser Naturwunder wird auch die Geschichte der Welt und der Menschheit zerstört und destruiert.

Verbrannte Erde auch auf politischer Bühne und der Gesellschaft

Dass Erdoğan in seinem antikurdischen Rausch und seiner Hexenjagd gegen die Opposition im Land auch auf politischer Bühne verbrannte Erde hinterlässt, ist ebenso Kalkül. Während das Land aufgrund seines Totalversagens abbrennt, schwadroniert er derweil von „Führern der Terrororganisation“, die einen Befehl für die Brände gegeben hätten, und die er genauso „ausmerzen“ werde „wie ihre Verbündeten in den Bergen“. Selbst die – wenn es gegen die KurdInnen geht, immer stramm bei Fuß stehende – nationalistische, kemalistische CHP zog mit ihrer Benennung der AKP als politischen Hauptverantwortungsträger des Flammeninfernos am Bosporus, gerade den geballten Zorn des „neuen Sultan von Ankaras“ auf sich. Währenddessen formiert sich auf den Straßen des seit Jahren in einen nationalistischen und rassistischen Taumel gejagten Landes ein vom „Palast“ jetzt nochmals zusätzlich aufgeheizter und islamistisch-faschistisch aufgepeitschter Lynchmob gegen die für seit längerem de facto für vogelfrei erklärten KurdInnen, linke pro-kurdische Kräfte und sämtliche mit ihrem Freiheitskampf verbündeten RevolutionärInnen.

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