Warnstreik & Protest gegen die Schließung des NQ Gudrunstraße

Mittwoch, 17.3., 15:00, Keplerplatz, 15:00

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Wir sind solidarisch mit den Beschäftigten im Notquartier Gudrunstraße des ASB-WSD (Arbeitersamariterbund – Wohnen und Soziale Dienstleistungen) in Wien! Nachdem sie ohnehin schon unter laufend zugespitzten Verhältnissen arbeiten müssen und mangelnder Gesundheitsschutz bereits zu einem Corona-Cluster geführt hat, sollen sie nun für ihre öffentliche Kritik an den Missständen mit der Schließung des Notquartiers und Jobverlust bestraft werden. Aus diesem Grund finden am Mittwoch, 17.3., ab 15:00 eine öffentliche Protest-Betriebsversammlung und ein Warnstreik am Keplerplatz in Wien-Favoriten statt.

Wir dokumentieren den offenen Brief der KollegInnen:

Als Dank für unseren Einsatz während der Pandemie wird die NQ Gudrunstraße einfach und ersatzlos zugedreht. Wir werden als einziges Quartier des Winterpaketes nicht verlängert – offiziell wegen der fehlenden Auslastung. Das ist offensichtlich Blödsinn – die „Gudi“ gab und gibt es selten freie Betten.

Wäre die geringe Belegung das echte Problem, könnte eine Verringerung der Bettenanzahl dazu verwendet werden, endlich für etwas mehr Abstände in den Schlafsälen zu sorgen. Es braucht mehr und nicht weniger Platz! Der wahre Grund ist jedoch vielmehr in unserer Aufsässigkeit zu suchen. Wir waren und sind nicht mehr bereit, die katastrophalen Arbeitsbedingungen, die desaströsen Zustände für die obdachlosen Nächtiger sang- und klanglos hinzunehmen!

Bis an die Grenze der Belastungen mussten wir getrieben werden, damit die Minimalforderung – nämlich die nach mehr Personal – erfüllt wird. Krankenstände, ein riesiger Cluster in unserem Hause und dadurch auch Ansteckungen der Mitarbeiter*innen haben uns ausgezehrt. Um das Missmanagement in Zahlen zu gießen: Nahezu ein Drittel der Nächtiger haben sich mit Corona angesteckt, dazu noch 5 Basismitarbeiter*innen. In etwa die gleiche Anzahl ging wegen Überlastung/Burn-out in den Krankenstand. Die Gewährleistung in unserem Betrieb, Nächtiger vor einer Ansteckung mit Corona zu schützen, war und ist nicht gegeben.

Zu der dauernden Unterbesetzung kamen weitere Probleme wie eine marode Infrastruktur oder ein sozialarbeiterischer Auftrag, der mit „Warm, Satt, Sauber!“ zusammengefasst wurde und uns fassungslos zurücklässt. Eine lückenlose Versorgung auch über den Winter hinaus ist für entscheidende Stellen nicht vorgesehen, denn behauptet wird auch, es fördere Obdachlosigkeit. Wir alle sehen am Winteranfang, wie ausgezehrt unsere Klienten sind, und wie viele sich stabilisiert haben am Ende eines Winters. Für diese Arbeit bekommen wir einen minimalen Lohn. Eine finanzielle Entschädigung dafür, dass unsere körperliche Integrität massiv infrage gestellt wurde, war nicht vorgesehen.

Diese Zustände ließen uns zu internen Protestmaßnahmen greifen. Außerdem haben wir gemeinsam mit der Initiative Sommerpaket haben wir einen Artikel über den desaströsen Umgang während eines Clusters in unserem NQ veröffentlicht. Dieser Widerstand war kurzfristig erfolgreich. Wenn auch viel zu spät wurden 120 zusätzliche Stunden genehmigt. Es zeigt aber auch das Ausmaß, in dem wir in den letzten Jahren unterbesetzt waren. Doch jetzt soll uns dieser Protest auf den Kopf fallen. Die Verantwortlichen wollen das „Problem Gudrunstraße“ durch eine ersatzlose Schließung „zu lösen“. Dass sie damit nicht nur uns, sondern auch die Nächtiger treffen, dass dadurch das letzte NQ in Zentrumsnähe, das gut öffentlich erreichbar ist, dass damit eines der letzten NQ, die unbürokratisch Notnächtiger aufnimmt, schließt, ist ihnen egal. Sie wollen ihre PR-Shows mit Imagepolitur für Politiker*innen und reichen Spendenfluss durchziehen. Da stören wir mit unseren Berichten von der Basis nur.

Für uns ist klar: Die Räumung der Gudi werden wir ihnen nicht leicht machen. Es geht aber nicht nur um den Erhalt unseres Quartiers. Wir kämpfen gegen ein System der Prekarität, in dem jede Kritik durch Schließung und Nichtwiedereinstellung unterbunden werden kann. Wir kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen und für ein Stück Würde für alle Menschen, unabhängig davon, ob sie auf der Straße oder in einem Loft leben!

Daher unsere Forderungen:

  • Verlängerung der Gudrunstraße unter Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahme!
  • Prekariat beenden! Lückenlose Verlängerung des Winterpakets zu einem durchgängigen Betreuungsangebot!
  • Mehr Platz und Betreuung statt weniger! Schaffung eines zusätzlichen Quartiers zum Erhalt der Betten und Arbeitsplätze und für mehr Abstand in allen Quartieren!
  • Klarheit durch Transparenz! Verstärkte Einbindung von Basismitarbeiter*innen bei Verhandlungen zwischen FSW und Fachbereich. Wir sind die Expert*innen!
  • Repressionsverbot: Keine Benachteiligung der Menschen, die sich für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Qualität der Betreuung und Unterbringung der Klienten einsetzen!
  • Verantwortung muss sich bezahlt machen! Finanzielle Entschädigung für Systemerhalter*innen.

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