Trautes Heim, Tod daheim

Seit der Pandemie hat sich Gewalt gegen Frauen weiter verstärkt – oft auch begünstigt durch die Lockdowns, die Frauen die Möglichkeit nahmen, Hilfe in Anspruch zu nehmen und sie noch mehr an das Zuhause und die Familie banden. Umso wichtiger ist es, den heutigen Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen zu nutzen, um diese verstärkt in den Fokus zu rücken.

Im Durchschnitt wird in Österreich jede zweite Woche eine Frau ermordet, weil sie eine Frau ist. Meist vom (Ex-)Partner, Ehemann, andren männliche Verwandten oder Bekannten. Für viele Frauen ist Gewalt alltäglich. Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter: Zwangsprostitution, sexueller Missbrauch, Sextourismus, Vergewaltigung, Beschneidung von Frauen, häusliche Gewalt, Zwangsheirat, vorgeburtliche Geschlechtsselektion, weibliche Armut, Femizide. Zu diesen „sichtbaren“ Formen kommen noch psychische Gewalt, wie Stalking, Kontrolle und Fremdbestimmung der Lebensgestaltung, permanente Abwertung und Bedrohungen hinzu. Und dies geschieht weltweit – auch vor unserer Haustüre, in unserer Nachbarschaft!

Jede fünfte Frau – also 20 Prozent der Frauen – ist ab ihrem 15. Lebensjahr körperlicher und/oder sexueller Gewalt ausgesetzt (Quelle: Erhebung der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte zu geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen, 2014). Jede 3. Frau musste seit ihrem 15. Lebensjahr eine Form von sexueller Belästigung erfahren. Jede 7. Frau ist ab ihrem 15. Lebensjahr von Stalking betroffen. Im aktuellen Jahr 2021 wurden in Österreich bereits 28 Frauen ermordet (Stand: 23.11.2021).

Heute ist der Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, weltweit gibt es Proteste und Aktionen. Vor 40 Jahren wurde bei einem Treffen lateinamerikanischer und karibischer Feministinnen der 25. November zum Gedenktag der Opfer von Gewalt an Frauen ausgerufen. 1999 haben die Vereinten Nationen den 25. 11. als offiziellen internationalen Gedenktag anerkannt.

Frauen wehren sich weltweit gegen die zunehmende Gewalt – nicht nur am heutigen Tag. Die Bewegung gegen Gewalt an Frauen „Ni una menos“ (Nicht eine weniger) verbreitete sich von Argentinien über die gesamte Welt. In zahlreichen lateinamerikanischen Ländern trugen unter diesem Motto hunderttausende Frauen riesige Proteste gegen Gewalt an Frauen auf die Straße. Auch in Mexiko-Stadt streikten hunderttausende Frauen, um gegen den Machismo, der täglich zehn Frauen dort in den Tod führt, anzugehen. Im September 2020 haben sie außerdem für mehrere Wochen die Büros der Menschenrechtskommission besetzt, um gegen die Untätigkeit der Behörde bei sexualisierter Gewalt, dem Verschwinden sowie Morden an Frauen zu protestieren. In Indien haben sich Frauen zusammengeschlossen, um sich gegen die alltäglichenVergewaltigungen zur Wehr zu setzen. Sie heißen Pink Sari, tragen dementsprechende Kleidung und pinke Knüppel, um sich selbst und andere Frauen verteidigen zu können. In Spanien organisieren sich Frauen in Stadtvierteln, um sich gegenseitig vor sexualisierten Übergriffen zu schützen und Männer, die wiederholt durch solche Übergriffe aufgefallen sind, anzuprangern.

Frauen haben in der Geschichte und auf der ganzen Welt gezeigt, dass sich kämpfen lohnt, wie zum Beispiel Anahita Ratebzad, ehemalige Bildungsministerin Afghanistans. Anfang der 80er Jahre – in der Demokratischen Republik Afghanistan – war es selbstverständlich, dass eine Frau Ministerin wurde mit dem Anspruch: „Frauen haben das Recht auf gleichwertige Ausbildung, sichere Arbeitsplätze, Gesundheitsfürsorge und freie Zeit“. Veränderungen sind also möglich.

Doch der Backlash ist offensichtlich. Das Land wurde zurückgebombt ins Mittelalter, und die radikal-islamistischen Taliban verhängen ein barbarisches, brutales patriarchales Strafregimes gegen Frauen.

In diese Entzivilisierung und patriarchale Herrschaftssicherung fügt sich auch der von Recep Tayyip Erdoğan erlassene Austritt der Türkei aus der Istanbuler Konvention für Frauenrechte ein.

Wichtig ist also, nicht bei Errungenschaften stehen zu bleiben, sondern an diesen anzuknüpfen und weiterzukämpfen. Es braucht aber auch bessere Lebensbedingungen für Frauen: höhere Löhne, Arbeitszeitverkürzung, hochwertige Kinderbildungs- und Betreuungsstätten, Pensionen die weit über der Armutsgrenze liegen, bezahlbaren Wohnraum, …. eigentlich alles Selbstverständlichkeiten. Sie sind aber Voraussetzungen, um ein selbstbestimmtes Leben überhaupt erst zu ermöglichen, und bieten damit auch Schutz vor Gewalt, insbesondere in Beziehungen.

Und es braucht die Verbindung dieser Kämpfe mit den Kämpfen gegen dieses patriarchale kapitalistische System, um auch für viele dieser Felder die Ursachen an der Wurzel packen zu können!

Weiterführend: Zahlen und Daten zu Gewalt an Frauen in Österreich

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