Krankmelden, auch im Homeoffice!

Ein Kommentar von Gerhard Dusek, Spitzenkandidat der Partei der Arbeit zur Bezirksvertretungswahl in Wien-Ottakring am 11.10.2020

Die vielerorts durch Corona bedingte Umstellung auf Homeoffice bewirkte offensichtlich, dass Kranke sich nicht krankmeldeten, sondern krank, weil eh schon zuhause, weiterarbeiteten. Die Krankenstände sind von März bis Juni deutlich weniger geworden, ergab eine parlamentarische Anfragebeantwortung durch Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

Gefragt waren die Zahlen von Februar bis Juni dieses Jahres. Gab es im Februar, vor Ausbruch der Covid-Pandemie, in Österreich noch ein Plus von Krankenständen bei Arbeitern und Angestellten, änderte sich das schnell. Im Februar 2019 waren es rund 467.000 Fälle, im heurigen Vergleichsmonat fast 500.000. In den Monaten danach drehte sich dies – und zwar, obwohl es bis September leichter war, krankgeschrieben zu werden, da man dafür nicht persönlich zum Arzt musste, sondern telefonisch krankgeschrieben werden konnte. Die telefonische Krankmeldung war Mitte März von Ärztekammer und Gesundheitsministerium vereinbart worden. Schon der März lag heuer 3.000 Fälle unter dem Vorjahreswert. Der Trend setzt sich fort, auch noch weit nach dem Lockdown. Im Juni 2020 waren es bei Arbeitern und Angestellten rund 214.000 Fälle, somit deutlich weniger als die ca. 260.000 Fälle im Juni 2019. Trotz der Befürchtungen von Arbeitgeberseite, die telefonische Krankmeldung sei ein Anreiz zum Missbrauch, verkehrte sich das real sogar ins Gegenteil. Denn die Umstellung vieler auf Homeoffice bewirkte offensichtlich, dass Kranke sich nicht krankmeldeten, sondern krank, weiterarbeiteten, da sie ohnedies zu Hause waren. Der Gesundheitskasse als auch der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, der Eisenbahnen und des Bergbaus ist keine einzige Beschwerde bekannt. Weder von Ärzten noch von Patienten, heißt es in der Anfragebeantwortung weiters. Den Versicherungsträgern sowie dem Ministerium sind keinerlei Missbrauchsfälle oder auch nur entsprechende Versuche bekannt. Trotzdem besteht seit 1. September diese Möglichkeit nur mehr für Patienten mit CoViD-19-Symptomen, aus Angst vor Missbrauch, so die Begründung von Gesundheitsminister Anschober.

Also meldet euch bitte unbedingt krank, wenn ihr euch krank fühlt, ob mit oder ohne Homeoffice! Denn sie misstrauen uns – der Arbeiter/innen/klasse – ohnehin, egal wie sehr wir uns auch den Arsch aufreißen, um die Arbeitsplätze zu behalten!

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