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100 Jahre Frauenwahlrecht

1Über weite Strecken der Geschichte des Kapitalismus wurden Frauen jegliche politische Rechte vorenthalten. Erst nach langen, harten Kämpfen der ArbeiterInnen- und Frauenbewegung gelang es Schritt für Schritt, das Frauenwahlrecht durchzusetzen. Nach ersten punktuellen Erfolgen in Neuseeland 1893 und Australien 1902, in denen die Frauen das aktive Wahlrecht erhielten (sie durften wählen, aber – noch – nicht gewählt werden), errangen sie in Folgewirkung der russischen Revolution 1905 dann auf finnisch-zaristischem Gebiet erstmals das Recht sowohl die Stimme abzugeben als auch ins Parlament gewählt zu werden. Der entscheidende Durchbruch gelang jedoch erst im russischen Revolutionsjahr 1917, in dessen Zuge die Frauen gleichzeitig das aktive wie das passive Wahlrechte erkämpften und ihre politische Gleichberechtigung erreichten. Unter dem Einfluss und der weltweiten Ausstrahlung der epochemachenden Ereignisse zwischen Februar und Oktober, erhielt die weibliche Emanzipation für gleiche politische Rechte massiven Aufschwung. Vor diesem Hintergrund schlug am 12. November 1918, dem Tag der bürgerlichen Revolution in Österreich, auch hierzulande dem Frauenwahlrecht die Stunde. Mit der Erklärung Österreichs zur Republik wurde mit dem Gesetz über die Staats- und Regierungsform von Deutschösterreich, Artikel 9 das „allgemeine, gleiche, direkte und geheime Stimmrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts“ verwirklicht. In anderen hochentwickelten kapitalistischen Ländern wie etwa Italien oder Frankreich, bedurfte es allerdings noch des jahrzehntelangen Ringens bis nach dem Zweiten Weltkrieg, das Frauenwahlrecht im Gefolge des Widerstandskampfes gegen den Faschismus durchzusetzen.

Und mit Marx und Engels gesprochen, gilt denn auch zurecht in weitreichendem Sinne: »Der Grad der weiblichen Emanzipation ist das natürliche Maß an allgemeiner Emanzipation.«

Ein Maßstab, der selbst im 21.Jahrhundert quer durch EU-Europa und aktuell nicht zuletzt ebenso in Österreich wieder offen in Frage gestellt wird.

Ob in Form des tiefgreifenden und umfassenden frauenpolitischen Backlash hierzulande oder in Form offen frauenfeindlicher Haltungen, wie jener eines EU-Parlamentariers, die 2017 für Aufruhr sorgte, der im versammelten Plenum unumwunden seiner Frauenverachtung Ausdruck verlieh: „… Frauen sind schwächer, sie sind kleiner und sie sind weniger intelligent“.

Umso notwendiger ist es, den Kampf ungebrochen und mit aller Entschlossenheit weiter zu führen!