Widerstand am Hindukusch


In Afghanistan regt und formiert sich erster Widerstand gegen die erneute Machtübernahme der radikal-islamistischen Taliban. Während zuletzt Demonstrationszüge und Frauen trotz der patrouillierenden Gotteskrieger in den Städten ihre Opposition auf die Straße trugen, formiert sich in der als unbezähmbar geltenden nordostafghanischen Panjshir-Provinz eine bewaffnete Allianz gegen die Taliban. Und auch die Linke des Landes hat in strategischer Absicht des anstehenden Widerstands das Wort ergriffen.

Ahmad Massoud – Sohn des legendären „Löwen von Panjshir“, sprich: des militärisch hoch befähigten ehemaligen afghanisch-tadschikischen Truppenführers Ahmad Schad Massoud –, regiert im Panjshir-Tal (Das Tal der fünf Löwen) über die letzte von den Taliban noch nicht eingenommenen Provinz. Eine schwer zugängliche und gut zu verteidigende rund 150.000 EinwohnerInnen starke Region, die die Taliban schon in ihrer ersten Schreckensherrschaft 1996 – 2001 nie unterwerfen konnten.

Während sich der bisherige Präsident des von den USA eingesetzten, korrupten, pro-westlichen Kompradoren-Regimes Aschraf Ghani noch kurz vor der Einnahme Kabuls mit einem Hubschrauber voller Geld absetzte (was er selbst nach Tagen des Schweigens dazu freilich in Abrede stellt) und zwischenzeitlich in den Vereinigten Arabischen Emiraten weilt, zog sich sein Vize Amrullah Saleh ins Panjshir-Tal zurück. Und erklärte sich nach dem Hals über Kopf genommenen Reißaus von Ghani zum rechtmäßigen Präsidenten Afghanistans, wo er jetzt zusammen mit verbliebenen kampfbereiten Soldaten und Spezialeinheiten der afghanischen Armee, den Milizen Massouds sowie Truppen des einflussreichen usbekische General Abdul Raschid Dostum eine bewaffnete Anti-Taliban Koalition zu schmieden versucht.

Jenseits der von Experten als gering bewerteten Erfolgsaussichten der Allianz die Taliban afghanistanweit zu besiegen, wirft die Koalition um den vormaligen Vizepräsidenten Saleh des bisherigen US-Marionetten-Kabinetts und den in London promovierten Massoud, sowie dem wankelmütigen Dostum natürlich auch eine Reihe politischer Fragen auf. Angefangen von ihrer Hoffnung auf Hilfe aus den USA, über ihre politische Agenda, bis hin zur Frage, wie ernst es ihnen mit ihrer Kampfansage an die Taliban-Gotteskrieger wirklich ist.

Eingedenk dieser offenen Punkte erklärte Massoud jedenfalls, seine Mujaheddin-Kämpfer seinen jederzeit „bereit, es erneut mit den Taliban aufzunehmen“. „Ich und meine Kameraden sind bereit, unser Blut zu vergießen“ – „Wir rufen alle freien Afghanen, alle, die die Sklaverei ablehnen, auf, sich unserer Bastion Pandschir anzuschließen“. Nicht weniger entschlossen gibt sich Saleh bisher: „Ich werde mich niemals und unter keinen Umständen den Taliban-Terroristen beugen“ – erklärte er bereits letztes Wochenende.

Und auch andere einflussreiche Panjshiri demonstrieren ihre Bereitschaft zum Kampf. Bazgul Afsali, der das Grab des „Löwen aus dem Tal“ bewacht, betonte beinahe mit gelassener Entschlossenheit: „Pandschiri haben keine Freunde und keine Dienstherren. Wir verhandeln nicht. Wir können es mit jedem aufnehmen, auch mit den Amerikanern.“ Aber auch Vizegouverneurin, Rahela Ataee, unterstrich die Widerstandsbereitschaft der Menschen am Hindukusch und stellte den USA und Pakistan die Rute ins Fenster: „Wenn die USA weiter die Taliban unterstützen und Pakistan weiter den Terrorismus finanziert, werden die Afghanen natürlich für ihre Rechte kämpfen.“

Was für einen progressiven Ausweg Not tut, hat am Klarsten bisher die linke Solidarity Party Afghanistan formuliert: „Kampf gegen jede Art von Fundamentalismus, Reaktion und ausländischer Intervention“. Und erklärte aus Kabul weiter: „Die Geschichte unzähliger Länder, einschließlich der Geschichte unserer eigenen Heimat, hat bewiesen, dass nur der Protest und der Kampf des Volkes Alarm schlagen können (…) Deshalb muss unser Volk ethnische, regionale, sprachliche und nationale Probleme beiseite legen und sich vereinen. Zuallererst sollte es sich gegen die Kriminellen, die ihr Volk verfluchen, stellen. Wirklicher Frieden kann in unserem Land herrschen, wenn alle Verräter von Taliban und Gulbudini [sprich: Anhänger des als ‚Schlächter von Kabul‘ bekannten Kriegsherren Gulbuddin Hekmatyār], Regime und IS aus unserer Heimat ausgerottet werden und unser Schicksal aus den Hände ihrer ausländischen Herren befreit wird.“

Allerdings hinkt die heutige Verankerung wie Verbindung der demokratischen, linken und antiimperialistisch-sozialistischen Kräfte mit den Massen Afghanistans für ein Leben in selbstbestimmter Freiheit, Demokratie und Frieden den schweren Anforderungen am Hindukusch noch hinterher. Umso nachdrücklicher nur unsere internationale Solidarität mit ihrer zu bewältigenden Herkulesaufgabe.

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