Warum Sozialismus?

von Albert Einstein

Heute jährt sich der 65. Todestag des großen Physikers Albert Einstein. Doch Einstein war nicht nur der geniale Naturwissenschaftler, als den wir ihn kennen, sondern auch ein großer Humanist und Fürsprecher des Sozialismus. Nachstehend zu seinem heutigen Todestag daher denn auch Auszüge aus seinem Aufsatz „Why Socialism“, geschrieben unter der bereits begonnenen McCarthy-Ära.

„Die ökonomische Anarchie der kapitalistischen Gesellschaft heute ist meiner Meinung nach die eigentliche Ursache des Übels [der Krise unserer Zeit, A.E.].  (…) Privates Kapital tendiert dazu, in wenigen Händen konzentriert zu werden – teils aufgrund der Konkurrenz zwischen den Kapitalisten und teils, weil die technologische Entwicklung die wachsende Arbeitsteilung die Entstehung von größeren Einheiten auf Kosten der kleineren vorantreibt. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist eine Oligarchie von privatem Kapital, dessen enorme Kraft nicht einmal von einer demokratisch organisierten politischen Gesellschaft gebändigt werden kann. Denn die Mitglieder der gesetzgebenden Organe werden von politischen Parteien ausgewählt, die weitgehend von Privatkapitalisten finanziert oder anderweitig beeinflusst werden und in der Praxis die Wähler von der Legislative trennen. (…)

Die Situation in einem Wirtschaftssystem, das auf dem Privateigentum an Kapital basiert, wird … durch zwei Hauptprinzipien charakterisiert: erstens sind die Produktionsmittel (das Kapital) in privatem Eigentum und die Eigentümer verfügen darüber nach Gutdünken, zweitens ist der Arbeitsvertrag [all jene(r) … die kein Eigentum an den Produktionsmitteln besitzen, A.E.] frei. Natürlich gibt es keine rein kapitalistische Gesellschaft. Vor allem sollte beachtet werden, dass es den Arbeitern durch lange und erbittere politische Kämpfe gelungen ist, bestimmten Kategorien von Arbeitern eine etwas verbesserte Form des „freien Arbeitsvertrags“ zu sichern. Aber als Ganzes genommen unterscheidet sich die heutige Wirtschaft nicht sehr von einem „reinen“ Kapitalismus.

Produziert wird für den Profit – nicht für den Bedarf. Es gibt keine Vorkehrung, die dafür sorgen würde, dass all jene, die fähig und bereit sind zu arbeiten, immer Arbeit finden können. Es gibt fast immer ein „Heer von Arbeitslosen“. Der Arbeiter lebt dauernd in der Angst, seinen Job zu verlieren. Da arbeitslose und schlecht bezahlte Arbeiter keinen profitablen Markt liefern, ist die Warenproduktion beschränkt und große Not ist die Folge. Technologischer Fortschritt führt häufig zu mehr Arbeitslosigkeit statt zu einer Milderung der Last der Arbeit für alle. Das Profitmotiv, in Verbindung mit der Konkurrenz zwischen den Kapitalisten, ist für die Instabilität der Akkumulation und Anwendung des Kapitals verantwortlich, und dies hat zunehmend schwerere Depressionen zur Folge. (…)

Ich bin davon überzeugt, dass es nur einen Weg gibt, dieses Übel loszuwerden, nämlich den, ein sozialistisches Wirtschaftssystem einzuführen, begleitet von einem Bildungssystem, das sich an sozialen Zielsetzungen orientiert. In solch einer Wirtschaft gehören die Produktionsmittel der Gesellschaft, und ihr Gebrauch wird geplant. Eine Planwirtschaft, die die Produktion am Bedarf der Gemeinschaft orientiert, würde die notwendige Arbeit auf all diejenigen verteilen, die in der Lage sind zu arbeiten, und sie würde jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind einen Lebensunterhalt garantieren. Die Erziehung hätte zum Ziel, nicht nur die angeborenen Fähigkeiten der Einzelnen zu fördern, sondern in ihnen auch Verantwortungssinn für die Mitmenschen zu entwickeln, anstatt wie in unserer heutigen Gesellschaft, Macht und Erfolg zu glorifizieren. (…)

In unserem Zeitalter des Wandels ist Klarheit über die Ziele und Probleme des Sozialismus von größter Bedeutung.“

Albert Einstein, 1949

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