Humanitäre Katastrophe am Balkan

Nachstehend veröffentlichen wir einen Text von SOS Balkanroute

Wir alle kennen die Bilder. Seit Jahren werden Menschen beim Versuch, die Grenze zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien zu übertreten, gewaltsam daran abgehalten und zurückgedrängt. Oft sind ebenjene Menschen damit konfrontiert, monate- bis jahrelang im Grenzgebiet im Raum Bihac bzw. im Kanton Una Sana festzusitzen. Sie müssen in menschenunwürdigen und elenden Verhältnissen um ihr Überleben kämpfen. Ganz klar festzuhalten ist in diesem Zusammenhang auch die offene und brutale Gewalt seitens der kroatischen Grenzpolizei. Das Border Violence Monitoring Network dokumentierte 1673 A4-Seiten an Grenzgewalt gegen Geflüchtete. Am 23. Dezember gipfelte sich die humanitäre Krise in den Flammen des IOM-Camps Lipa, dass rund 25 Kilometer entfernt von Bihać versteckt hinter einer Waldlandschaft liegt. Im Vorfeld war ein Tauziehen zwischen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und der Zentralregierung in Sarajevo zu beobachten. Das Camp war als Übergangslösung für rund 1400 Menschen gedacht und bestand aus mehreren Mannschaftszelten. Es war von vornherein klar, dass das Lager nicht winterfest gemacht werden kann, da nichteinmal der Zugang zu Wasser- und Stromversorgung vorhanden war. Die IOM entschied sich nach mehreren Ankündigungen sich zurück zu ziehen – mit fatalen Folgen: 1400 Menschen sind nun mit der bitteren Kälte des bosnischen Winters konfrontiert. Schätzungen zur Folge sind nun etwa 4000 Geflüchtete im Kanton Una-Sana Obdachlos und ohne Versorgung.

Was macht SOS Balkanroute?

Wir haben in Velika Kladusa eine Küche aufgebaut, in der wir für ca. 400-500 Menschen täglich kochen bzw. Essenspakete zusammenstellen. Die Essenspakete bestehen aus Reis, Mehl, Linsen, Öl und Gemüse. Damit versuchen wir den Menschen vor Ort ein gewisses Maß an Selbstbestimmung zurückzugeben. Somit können sie nach ihren Gewohnheiten kochen, haben eine wichtige Beschäftigung und sind nicht ausschließlich auf unser gekochtes Essen angewiesen. Außerdem versorgen wir viele Menschen täglich mit Klamotten, Decken, Schlafsäcken und Schuhen. Wir konzentrieren uns dabei v.a. auf die Menschen, die außerhalb der offiziellen Camps leben. Diese haben meist gar keinen Zugang zu Unterstützung jeglicher Art. Trotz der Kälte leben immer noch hunderte Menschen im Wald, in Ruinen oder leerstehenden Häusern. Insbesondere Push-Backs, also Menschen, die von der kroatischen Polizei (aber auch aus Slowenien, Italien und Österreich) illegal zurück nach Bosnien gebracht werden, sind auf unsere Hilfe angewiesen. Denn oft sind sie Tage lang zu Fuß in der Kälte unterwegs, haben nichts zu essen und zudem nimmt ihnen die kroatische Polizei meist ihre Kleidung und all ihre Wertsachen ab.

Außerdem sind viele Menschen in Bosnien im Moment nicht nur mit Repressionen von Strafverfolgungsbehörden konfrontiert, sondern auch mit örtlichen Bürgerwehren. Nach der Schließung des Lipa-Camps haben einige BewohnerInnen von Bihać Demonstrationen vor dem Bira Camp organisiert – dass zuvor vom Bürgermeister aus wahltaktischen Gründen geschlossen wurde – um Druck gegen eine Wiederöffnung aufzubauen.

Wir helfen in Kljuc mit Geldspenden, um die Gewährleistung der Lebensmittelversorgung für rund 100 Menschen zu sichern, darunter Familien, Kinder und auch ältere Menschen. Diese Menschen können ebenso nicht weiterkommen, weil die Polizei sie nicht weiter rein in den Kanton lässt, wo sie sich zumindest registrieren könnten. Außerdem unterstützen wir lokale HelferInnen in Bihac und sind in Tuzla gut mit Locals vernetzt.

Wir haben von Anfang an Bündnisse mit vielen, unterschiedlichen Organisationen, Menschen, Glaubensgemeinden und Gruppen geschlossen. Bei uns ist beim Schlichten der Spenden in Österreich ebenso ein bosnischer Imam, eine Nonne, ein Punk oder ein homosexuelles Pärchen vorzufinden. Wir schließen niemanden aus, der mit uns für das Fundament einer humanistischen Grundpflicht steht. Und wir haben das Gefühl, dass durch die Aktionen in Österreich dort viele Leute unterschiedlicher Interessen zusammengekommen sind, die unter normalen Umständen unter sich bleiben würden. Das ist auch vielleicht das Geheimnis unserer Vielfalt und unseres Wachstums, dessen wir uns erst mit der Zeit bewusst wurden. Es ist ein ewiger Kampf, Öffentlichkeit zu forcieren, Spenden zu generieren und Bewusstsein zu schaffen: Aber wir wissen, wieso wir da sind und auch teilweise da sein müssen.

Ein herzliches Dankeschön an die KOMintern, dass sie uns die Möglichkeit gibt, diese Situation sichtbar zu machen und für die Hilfe vor Ort zu sensibilisieren.

S P E N D E N

IBAN: AT20 2011 1842 8097 8400
BIC: GIBAATWWXXX
Kontoinhaber: SOS Balkanroute
Verwendungszweck: Spende

P A Y P A L
Spenden an: team@sos-balkanroute.at

S A C H S P E N D E N

Am 23. und 24. Jänner finden wieder Sammelaktionen für Sachspenden statt. Mehr Infos hier.

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