100 Jahre Streik und Aufstand in Husino

In diesen Tagen jährt sich der bewaffnete Aufstand der Bergleute nach ihrem Generalstreik im Dezember 1920, der in den „Aufstand von Husino“ („Husinska Buna“) mündete, benannt nach dem Bergbaudorf Husino bei Tuzla, Bosnien.

Generalstreik für einen Kollektivvertrag

Vom Mai bis September 1919 hatten die Bergleute in Kreka einen Streik organisiert, der wie üblich mit Repressalien gegen die TeilnehmerInnen verlief. Der Streik konnte trotzdem nicht erstickt werden. Auch wenn sich die Lage der Bergleute nur unmerklich besserte, so kam es im Jänner 1920 zu einem Kollektivvertrag mit der Provinz-Regierung, welcher im August d. J. erneuert wurde. Dies bedeutete damals einen großen Erfolg der Arbeiterbewegung. Aufgrund des Vertrages wurde im November 1920 eine Lohnerhöhung beantragt. Diese wurde aber abgelehnt und die Regierung toppte den Vertragsbruch noch, indem sie die Tageslöhne der Bergmänner senkte.

Streik gegen den Vertragsbruch

So kam es am 20. Dezember 1920 zu einer neuerlichen Streikbewegung, welcher sich außer Kreka, noch die Bergwerke in Zenica, Breza, Mostar, Kakanj und andere anschlossen. In Kreka wurde der Streik vom Kommunisten Franjo Rezač geleitet. Da er tschechischer Abstammung war, wurde er aus Jugoslawien abgeschoben. Der Streik, von der Kommunistischen Partei Jugoslawiens über die Gewerkschaft der Arbeiter organisiert, wurde für illegal erklärt. Die 7.000 streikenden Arbeiter stammten aus allen Teilen Jugoslawiens, so beschloss die Regierung, den Arbeitern die staatlichen Wohnungen zu entziehen. Um der Situation Herr zu werden, begann die Regierung schon am ersten Tag, ArbeiterInnen auf die Straße zu setzen. Ihre Hoffnung, diese würden dann nach Hause gehen und man könnte dann die Einheimischen leichter zur Wiederaufnahme der Arbeit zwingen, bewahrheitete sich nicht.

Solidarität gegen Delogierungen

Über 300 Familien wurden delogiert – doch am 25. und 26.12. nahmen die Familien der Bergarbeiter von Husino und einigen anderen Dörfern nahe Tuzla alle Delogierten solidarisch auf. Diese Solidarität im Bergbau verärgerte die Behörden. Am 27. Dezember 1920 schickte der Kreisvorsteher Dimitrije Grudić Polizisten, um die untergetauchten Familien der aus Slowenien stammenden Arbeiter zu verhaften und sie zu deportieren. Die Gendarmerie-Patrouillen brachen in Häuser ein und verbreiteten Angst und Schrecken. Sie wollten alle Gäste aus Husino ausweisen und die Namen der Gastgeber auflisten.

Brutaler Angriff auf die Streikenden

Anschließend griffen sie zwei slowenische Bergbaufrauen an. Diese unverschämte Tat brachte das Fass zum Überlaufen. Die Bergleute besetzten daraufhin, bewaffnet mit einigen Revolvern und Gewehren, die rundumliegenden Hügel. Bei diesem bewaffneten Konflikt zwischen den Streikenden und den Gendarmen wurden drei Polizisten gefangen genommen und einer schwer verwundet, sodass er am selben Tag seinen Verletzungen erlag. Daraufhin wurde militärische Verstärkung geholt: mit Maschinengewehren bestückte Infanterie-Bataillone, 50 Polizisten und 20 Mitglieder der sog. „Zivilgarde“ wurden nach Husino beordert, wo sich auch der Sitz des Streikkomitees befand. Die Dörfer, in denen sich die Streikenden widersetzten, wurden umzingelt. Der Angriff der Staatsmacht erfolgte zwischen 27. und 28. Dezember um Mitternacht. Auf Befehl des herrschenden Regimes wurden brutale Repression und Gräueltaten gegen die Bergleute und ihre Familien verübt: Raubüberfälle, Vergewaltigungen, Schläge, Massenverhaftungen und andere Gewalttaten. Insgesamt 35 Menschen aus der Arbeiterschaft wurden getötet oder starben an den Folgen von Terror und Folter.

Die juristische „Abrechnung“ mit dem Streik

Ein Jahr später folgte dem Aufstand von Husino ein großer Gerichtsprozess in Tuzla, bei dem 350 Arbeiter angeklagt waren. Die meisten, allen voran die Streikführer, wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Juro Kerošević, der des Mordes an dem Polizisten angeklagt war, sollte gehängt werden. Gegen den Polit-Prozess und gegen die Vollstreckung der Todesstrafe wurde eine landesweite Aktion gestartet. Unter dem Druck der fortschrittlichen, auch internationalen Öffentlichkeit wurde Kerošević begnadigt, die Todesstrafe in eine 20-Jährige Gefängnisstrafe umgewandelt.

Der Kampf geht weiter…

Die brutale Konfrontation von Polizei und Gendarmerie gegen die Bergleute in Bosnien und Herzegowina löste einen allgemeinen Aufstand und Proteste von ArbeiterInnen im ganzen Land aus.

Während des 2. Weltkriegs schlossen sich viele aus den Bergarbeiterfamilien den jugoslawischen PartisanInnen an, bildeten dort die Husino-Einheit und kämpften gegen Faschismus und Barbarei.

In Erinnerung an diesen Aufstand und die gefallenen Bergleute in den Jahren 1941-1945 wurde der Tag, an dem der Husino-Aufstand ausbrach, zum Bergmannstag erklärt.

Bergleute in einer der Minen in Krek, 1920. Die Arbeit in den Minen war sehr schwer und wurde mit Handwerkzeugen und ohne Schutz durchgeführt.
Jurića Bašča („Juric´Garten“) war ein Treffpunkt für Bergleute, Streikteilnehmer und den Husino-Aufstand.
Franjo Rezač, Bergmann, Präsident der Gewerkschaftsabteilung der Bergarbeiter in Kreka. Einer der Organisatoren des Bergarbeiterstreiks in Kreka 1920, weshalb er als ausländischer Staatsbürger (Tschechien) aus Jugoslawien ausgewiesen wurde.
Einer der Hauptakteure des Streiks und des Aufstands war Jure Kerošević. Er wurde zum Tode durch Erhängen verurteilt, aber auf Druck der internationalen und nationalen Öffentlichkeit erließ König Alexander I. ein Begnadigungsdekret und die Strafe wurde in zwanzig Jahre Gefängnis umgewandelt, von denen er siebzehn Jahre verbüßte.

Titelbild: Stari Djed Aljo (CC BY 3.0)

Alle weiteren Bilder aus: „Husinska Buna 1920-2010“, Tuzla, Dezember 2010

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