Equal Pay Day: 21.02.2021

Neben dem traditionell eingesessenen „Equal Pay Day“ im Herbst, wird dieser aufgrund seiner jeweiligen Berechnungsmethoden auch im Frühling datiert – und benennt hier nun den Tag, bis zum dem Frauen in das Jahr 2021 hinein weiterarbeiten müssen, um so viel verdient zu haben wie ihre männlichen Kollegen bis Ende 2020. Dieser Tag fällt heuer (auf Datenbasis des Frauennetzwerks Business and Professional Women – BPW) auf den heutigen 21. Februar. 

Die Schere zwischen den Löhnen und Gehältern von Frauen gegenüber Männern klafft ungebrochen auseinander. In Lohn und Brot stehende Kolleginnen verdienen nach wie vor um rund 20% weniger als ihre männlichen Kollegen. Womit (ganzjährig vollzeitbeschäftigte) weibliche Werktätige über das Jahr im Durchschnitt zig Tausende Euro weniger bekommen! Trotzdem sie etwa bei den Bildungsabschlüssen nicht nur aufgeholt, sondern ihre männlichen Kollegen sogar bereits überflügelt haben. In zahlreichen einzelnen Bundesländern ist die Lohndiskriminierung sogar noch höher. So fällt der Equal Pay Day in Vorarlberg mit seiner prozentuell höchsten Lohn- und Gehaltskluft von 27% nochmals viel später. Es folgen, in dieser Lohn-Gap Reihenfolge, Oberösterreich, dann Salzburg und Tirol sowie die Steiermark und danach Niederösterreich. Unter dem Bundesschnitt liegen lediglich die drei Bundesländer Burgenland, Kärnten und Wien mit einer etwas geringeren, aber immer noch deutlichen geschlechtsspezifischen Lohnkluft.

Und die österreichische Lohnschere ist noch viel beschämender als gemeinhin bekannt. Hier schneidet Österreich vielmehr auch international besonders schlecht ab – und belegt seit Jahrzehnten einen der hintersten Plätze in Europa.

Zu alledem gesellen sich die Verwerfungen der „Corona-Krise“ hinzu, in der vielfach weibliche Beschäftigte und (Zwangs-)Teilzeitlerinnen als erste vor die Tür gesetzt wurden. Um noch eine Facette trister ist hierbei die Lage unserer Kolleginnen mit Migrationshintergrund, die zu ihrer Lohnschere als Frauen auch noch einer migrantischen Einkommensdiskriminierung unterliegen und nochmals um einen Deut weniger als ihre Kolleginnen verdienen. Sie sind zudem noch öfter a-typisch resp. prekär beschäftigt. Das Gros der weiblichen Beschäftigten, die in der Krise ihren Job verloren haben, hatten so im Durchschnitt bereits um 35% weniger Einkommen als ihre männlichen Arbeitskollegen und von diesem mauen Einkommen fällt in der Arbeitslosigkeit jetzt nochmal beinahe die Hälfte weg.

Im vorigen Frühjahr noch als „HeldInnen des Alltags“ gefeiert und mit Applaus auf den Straßen und von Balkonen dafür bedacht, dass sie das öffentlichen Leben am Laufen hielten, ist es gegenwärtig wieder merklich still um die tristen Arbeitsbedingungen und Einkommensverhältnisse der vorwiegend weiblichen Versorgungsleistenden geworden.

Für einen kurzen Augenblick flackerten im damaligen Scheinwerferlicht auch die miserablen Löhne und Gehälter sowie schlechten Arbeitsbedingungen und Belastungen dieser mehrheitlich sogenannten „Frauenbranchen“ auf.  Nach einem Jahr wirtschaftlicher und pandemischer Dauerkrise ist es dagegen ruhig um die in der Tat allem voran Heldinnen, darunter nicht zuletzt zahlreiche migrantische, die diese Arbeit verrichten, geworden.

Und für die im Homeoffice arbeitenden Frauen wiederum besteht dabei durch die traditionelle patriarchale Rollenfestschreibung die ungebrochene Herausforderung, Berufstätigkeit, Kinderbetreuung, Haushaltsführung und zusätzlichem Homeschooling unter erschwerten Bedingungen und vielfachen Zerfransungen zwischen Erwerbs- und Reproduktionsarbeit zu managen.

Die einstig großspurig ventilierten Sofortprämien wie der Corona-1.000er und verbindliche Gefahrenzulagen sind weitestgehend ebenso Schnee von gestern wie die unumgängliche Aufwertung dieser wahrhaft systemrelevanten Sektoren durch kräftige Lohnerhöhungen und mittelfristige Schließung der sektoralen Lohnspreizungen, weitreichende Arbeitszeitverkürzung und umfassende Verbesserungen der Arbeitsbedingungen.

Noch drastischer allerdings stellt sich die globalkapitalistische Weltlage dar: In den am schwächsten entwickelten Ländern sind unfassbare 85 – 90% der weiblichen Werktägigen prekär bzw. informell beschäftigt und verdienen selbst bei Vollzeit um bis zu einem Drittel weniger als berufstätige Männer. Nicht weniger im Argen steht es in vielen Weltregionen zudem um weibliche Bildungschancen. Hunderte Millionen Frauen sind weltweit so vom Lesenlernen ausgeschlossen. Und die gegenwärtige Corona- und Weltwirtschaftskrise droht die Zahl der an unmittelbarer Hungersnot und akuten Nahrungsmittelmangel leidenden Menschen sprunghaft glatt zu verdoppeln und in eine Hungerskrise multiplizierten Ausmaßes zu führen. Heute leiden bereits über 800 Millionen Menschen an Hunger. Die wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Krise droht UN-Forschungen zufolge eine derartige Masse – nicht zuletzt der 1,6 Milliarden informell Beschäftigten, darunter insbesondere Frauen die nochmals wesentlich zahlreicher in jenen Sektoren der informellen Ökonomie vertreten sind – in Armut zu reißen, dass mit nächstem Jahr 3,7 Milliarden Menschen, d.h. rund die Hälfte der Weltbevölkerung, unterhalb der Armutsgrenze vegetieren muss.

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