Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch kommender Woche (30.9. auf 1.10. 1965) jährt sich zum 60. Mal das Präludium zu einem der größten Massenmorde nach dem Zweiten Weltkrieg. Die systematische Vernichtung der Kommunistischen Partei Indonesiens. Eine „Säuberung“ genozidalem Ausmaßes. Binnen nicht einmal eines Jahres wurden in Indonesien seinerzeit im Zuge der von der „westlichen Wertegemeinschaft“ tatkräftig (mit)orchestrierten und vorangepeitschten Machtübernahme General Suhartos 1965/66 zwischen 500.000 bis 1 oder 2 Millionen (manche Quellen sprechen gar von 3 Millionen) KommunistInnen, oder was man dafür hielt, in einer an „Hitlers Verbrechen“ gemahnenden „Schlächterei“ (wie die CIA in Dokumenten für den internen Dienstgebrauch formulierte) dahinmetzelte.
„Die Vereinigten Staaten“, so der US-amerikanische Historiker Bradley Simpson, „zeigten sich über die Massenmorde in Indonesien geradezu begeistert.“ Australiens Premier Harold Holt erklärte seinerseits überhaupt öffentlich: „Nach der Tötung von 500.000 bis eine Million kommunistischer Sympathisanten kann ich mit Sicherheit davon ausgehen, dass eine Neuorientierung stattgefunden hat.“ Und Deutschlands Botschafter in Jakarta, Kurt Luedde-Neurath, dozierte ohne sich groß ein Blatt vor den Mund zu nehmen in Rahmen eines Vortrags: „Eines können wir von diesem Einschnitt im staatlichen Leben Indonesiens mit Sicherheit sagen: Es war nicht gegen uns und gegen die freie Welt gerichtet. Die Hunderttausenden umgebrachten Kommunisten … hat … die marxistische Linke ausgeschaltet und neue Kräfte freigesetzt. … Die ideologische Offenheit gegenüber dem Westen ist groß.“
„Keinen kümmert das, solange es sich bei den Abgeschlachteten um Kommunisten handelt“
In dieser unsäglichen Traditionslinie rühmten sich noch Jahrzehnte später Staatsmänner von Ronald Reagan bis Helmut Kohl stolz ihrer „Männerfreundschaft“ mit General Suharto, dem Despoten und ‚Garant‘ des festen Bündnisses Indonesiens mit der „freien Welt“. Freilich, das war auch den Verantwortlichen in den Hauptstädten der „westlichen Wertegemeinschaft“ klar, handelte es sich um ein apokalyptisches Massaker. Aber, so ein Indonesien-Experte des State Department in einem Interview trocken: „Keinen [in der westlichen Welt, Anm.] kümmerte das, solange es sich um Kommunisten handelte, die abgeschlachtet wurden.“
Die beispiellose Ausmordung als „A Gleam of Light in Asia“ (New York Times)
Entsprechend titelte die New York Times nach Ende des „großen Schlachtens“ mit der unverhohlenen Schlagzeile „Ein Lichtschimmer in Asien“ („A Gleam of Light in Asia“). Die „brutale Umgestaltung Indonesiens“ zu „einer herausfordernden antikommunistischen Politik unter Suharto“ sei, so die NYT weiter, „gewiss die wichtigste“ in einer Reihe „hoffnungsvoller politischer Entwicklungen in Asien“. Denn, wie der US-Historiker John Roosa den bluttriefenden geopolitischen „Erfolg“ Washingtons auf den Punkt brachte: „Fast über Nacht verkam die indonesische Regierung von einer leidenschaftlichen Stimme gegen Imperialismus und für Neutralität im Kalten Krieg [unter dem in eins mit dem Massenmord an den KommunistInnen gestürzten Präsident Sukarno, Anm.] zu einem stillen, gefügigen Partner der US-Weltordnung.“
Die PKI – die einst größte Kommunistische Partei außerhalb der Sowjetunion und Chinas
Die Kommunistische Partei Indonesiens, PKI, nun – die als integraler Bestandteil des politischen Lebens und des antikolonialen Kurses den links-nationalen Präsident Sukarno unterstützte, von ihm umgekehrt wohlwollend geduldet war und die beide punktuell auch zusammenarbeiteten – war davor mit 3,5 Millionen Parteimitgliedern und 20 Millionen Mitgliedern in den parteinahen Verbänden (darunter der Gewerkschaft SOBSI, der Volksjugend Pemuda Rakyat, der Frauenbewegung Gerwani sowie der Bauernfront BTI, aber etwa auch der Kulturorganisation LEKRA sowie Organisationen der KünstlerInnen und Intellektuellen) die nach der KPdSU und der KP Chinas weltweit drittgrößte kommunistische Partei. Nach Ende der unter maßgeblicher Involvierung Washingtons, Londons, Canberras, aber auch Bonns und anderer geführten „Operasi Penumpasan“ – „Operation Ausrottung“, wie sie das indonesische Militär intern nannte – war sie allerdings nicht nur brachial zerschlagen, sondern ihre Kader und maßgeblichen AktivistInnen betreffend wortwörtlich weitestgehend ausgelöscht.
Indonesien als einst „vordringlichster geostrategischer Planungsschwerpunkt“ Washingtons
Indonesien – was heute nicht minder in Vergessenheit geraten ist – galt maßgeblichen Stimmen der Kennedy- und Johnson-Administration damals wichtiger als Vietnam. Der „Verlust Indonesiens“ (nach dem im Imperialismus-Speak „Verlust Chinas“ 1949), würde selbst einen Sieg in Vietnam entwerten – ja, wie der Nationale Sicherheitsrat in einem internen Memorandum pointierte, als „größter Schlag seit dem Fall Chinas“ gar „einen Sieg in Vietnam bedeutungslos machen“. Entsprechend markierte schon im Jahr der Kuba-Krise, 1962, (und erstem Jahr nach Beginn des Einsatzes des Giftgases „Agent Orange“ in Vietnam) Indonesien den „vordringlichsten Planungsschwerpunkt“ des Nationalen Sicherheitsrats der USA. Und demgemäß war denn auch US-Präsident Lyndon B. Johnson nach den Worten von US-Außenminister Dean Rusk seinerzeit bereits zur „Überzeugung gelangt, dass er am Ende des Tages zu einem größeren Krieg gegen Indonesien bereit wäre“.
Die PKI – Sukarnos „neues Indonesien“ – und die Bandung-Konferenz
Denn die PKI (obgleich nicht an der Regierung beteiligt) war nicht nur integraler Bestandteil der antikolonialen Umwälzung und sozialen Reformen in „Sukarnos neuem Indonesien“, sondern auch bei Wahlen immer erfolgreicher. Zudem rückte das Land politisch erkennbar insgesamt nach links und war bekanntlich Gastgeber der geschichtsträchtigen Bandung-Konferenz 1955, die mit Recht als Geburtsstunde der „Bewegung der blockfreien Staaten“ gilt. Entsprechend hielt Präsident Sukarno auch deren Eröffnungsrede. Eine eindringliche Rede gegen Kolonialismus, Neo-Kolonialismus, für die Rechte der Dritten Welt und Frieden. „Uns eint“, so Indonesiens Staatsoberhaupt, „die gemeinsame Verabscheuung des Kolonialismus, in welcher Form er auch immer auftritt. Uns eint zudem die gemeinsame Verabscheuung des Rassismus. Und uns eint die gemeinsame Entschlossenheit, den Frieden in der Welt zu erhalten und zu sichern.“ Gleichzeitig mahnte er bereits damals die jungen, gerade erst unabhängigen Länder mit klarem Blick und allem Nachdruck: „Und ich bitte Sie eindringlich, denken sie beim Kolonialismus nicht bloß an dessen klassische Form … Der Kolonialismus tritt auch in modernem Gewand auf, in Form von wirtschaftlicher Kontrolle, von geistiger Kontrolle und konkreter physischer Kontrolle durch kleine, aber von außen bestimmte Kreise innerhalb eines Landes. Er ist ein geschickter Feind, der vielerlei Gestalt annimmt. … Wo, wann und wie auch immer er auftritt, der Kolonialismus ist ein Übel, dem ein Ende gesetzt werden muss.“ Im Anschluss an Sukarno brachten dann unter anderem Zhou Enlai, Nehru, Gamal Abdel Nasser und Tito ihrerseits den „Geist von Bandung“ zur Rede.
Im Fadenkreuz Washingtons
Während man mit den Namen Letzterer meist noch breit was verbindet, ist der Sukarnos, obschon eigentlicher Hauptinitiator der Bandung-Konferenz 1955 und „große Figur des Antiimperialismus der Dritten Welt“ (John Roosa) sowie Galionsfigur des „neuen Indonesien“, heute aus dem kollektiven Gedächtnis weitgehend getilgt. Dabei führten die USA den „Kalten Krieg“ in Indonesien seit 1957 zunehmend als „heißen“, päppelte zwei „Rebellen“gruppen für Terroraktionen und Vorstöße auf und flog in CIA-Operationen Bombenangriffe auf das Land, um einen Putsch gegen die in Washingtons Augen zu sehr nach links driftenden Präsidenten auszulösen bzw. das Land gegebenenfalls in seine hunderten Nationalitäten und über 700 Sprachen zu filetieren.1958 scheiterte ein bereits erster von der CIA unterstützer Putschversuch. Die verdeckten Operationen gerieten jedoch zum Debakel nachdem es Jakarta gelang einen der US-B-26 Bomber abzuschießen und den Piloten und CIA-Agenten Allen Lawrence Pope festzunehmen. Nachdem die USA 1964 per Lügengespinst des sogenannten „Zwischenfalls von Tongking“ den Bombenkrieg auf Nordvietnam ausdehnte, brach Indonesien zudem seine diplomatischen Beziehungen mit Saigon ab und erkannte nunmehr formell einzig mehr die Regierung Ho Chi Minhs in Hanoi an. Hand in Hand mit den Entwicklungen verschärfte Washington – mit Rückenwind seines erfolgreichen Coups des Militärputsches in Brasilien im März 1964 – daraufhin in den Jahren 1964 und 1965 seine Gangart gegen Indonesien (und dessen innenpolitische Balance zwischen zwischen „Nationalismus, Religion und Kommunismus“ und außenpolitische Blockfreiheit) weiter. Die CIA erwog seinerzeit unter anderem ebenso, Sukarno in einer Spezial-Operation zu ermorden und erörterte schon „Aktivposten“ für das Attentat.
Der 1. Oktober 1965: Des Westens „Männerfreund“ General Haji Mohammed Suharto übernimmt die Macht
Den sozusagen Casus Belli zum schließlichen Sturz Sukarnos und der Einleitung der „Operation Ausrottung“ („Operasi Penumpasan“), durch die Machtübernahme des militant antikommunistischen, pro-westlichen Despoten General Suharto und dessen buchstäblichem „Liquidierungsprogramm“, gaben dann die bis heute unklaren Geschehnisse in der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober 1965 gegen die Befürchtung eines Obristen-Putsches mit Schützenhilfe der CIA gegen Sukarno, dem eine Gruppe junger Offiziere und der Chef der Leibgarde des Präsidenten Oberstleutnant Untung unter dem großspurigen Namen „Bewegung 30. September“ mit der Festnahme ranghoher Generäle zuvorkommen, sprich: ein rechtes Komplott vereiteln wollten. Sechs ranghohe Generäle und ein Leutnant wurden dabei gefangengenommen und aus bis heute undurchsichtigen Gründen getötet. So nebulos, undurchsichtig und dilettantisch die ganze Aktion, so diffus die war auch die Zusammensetzung der „Gerakan September Tiga Puluh“ („Bewegung 30. September“) – unter denen eine Reihe Akteure gerade General Suharto nahestanden. Im Grunde lässt sich seriöser Weise bis auf den heutigen Tag nur in Vincent Bevins Worten konstatieren: „Mehr als fünfzig Jahre später wissen wir immer noch nicht, wer genau die Gerakan 30. September geplant hatte oder was der wahre Zweck des nächtlichen Überfalls war. Was uns vorliegt, ist eine Reihe ernst zu nehmender Theorien“ – die Bevins in seinem vor zwei Jahren auch auf Deutsch erschienen Buch „Die Jakarta Methode. Wie ein mörderisches Programm Washingtons unsere Welt bis heute prägt“ denn auch kompakt resümiert und auf ihr Für und Wider erörtert. Außer Zweifel steht indes, so nochmals Bevins, der nächste Teil der Geschichte: „Nach den Ereignissen vom 1. Oktober übernahm Generals Suharto die Kontrolle über das Land und tischte eine Reihe von vorsätzlich, sorgfältig vorbereiteten Lügen auf.“
Der Westen und die lange Nacht der Messer – oder besser Macheten
Dass auch Großbritannien mit von der Partie war, wird kaum überraschen. Weniger bekannt ist hingegen die aktive Involvierung Australiens, das den nun das Ruder übernommenen Obristen unter Suharto ebenso wie die USA massenhaft Listen über tatsächliche oder vermeintlich KommunistInnen zur systematischen Vernichtung der Kommunistischen Partei Indonesiens aushändigte. Der australische Botschafter Keith Shann drängte vor diesem Hintergrund im Oktober 1965 denn auch darauf, das Vorgehen gegen die KommunistInnen müsse „jetzt oder nie“ in Gang gesetzt werdenund er „hoffe aufrichtig“, dass die Armee entsprechend „entschlossen“ gegen die KommuistInnen des Landes zu Werke geht. Geradezu wortgleich sah es auch US-Botschafter Marshall Green in seinem Telegramm an Washington vom 5. Oktober: „Die Armee hat jetzt die Möglichkeit, gegen die Kommunistische Partei vorzugehen, wenn sie schnell handelt“ – „Jetzt oder nie“. Im Jahr drauf erklärte der australische Premier Harold Holt öffentlich, wie schon eingangs angezogen, sichtlich zufrieden mit dem bis dahin größten Massaker nach Ende des Zweiten Weltkriegs: „Nach der Tötung von 500.000 bis eine Million kommunistischer Sympathisanten kann ich mit Sicherheit davon ausgehen, dass [unter Suharto, Anm.] eine Neuorientierung stattgefunden hat.“ Schier unglaubliche Worte. Und doch Konsens in den Hauptstädten „des Westens“ von Washington, über London und Berlin bis nach Canberra.
Washingtons unerschütterliche Auffassung: „Eine demokratische Regierung ist nicht das Beste für Indonesien und andere“
Neben dem geradzu genozidalen Antikommunismus und der tiefen Misanthropie der verschiedenen Erklärungen westlicher Staatsführer, zeigt sich in ihren Erwägungen und Auffassung zugleich auch ihr wahres, bloß instrumentelles Demokratieverständnis. Was Indonesien anbelangte, so vertrat auch Lyndon B. Johnsons Nachfolger als „Anführer der freien Welt“, Richard Nixon, die unerschütterliche Meinung, die freilich nur den allgemeinen Konsens in Washington auf den Punkt brachte, „dass eine demokratische Regierung [wahrscheinlich] nicht das Beste für Indonesien“ sei, weil „die Kommunisten im Wahlkampf wohl nicht geschlagen werden können“. Dergleichen machte Dwight D. Eisenhower ein knappes Jahrzehnt vor dem Militärputsch in Indonesien auch schon für die auf der Genfer Indochina-Konferenz für 1956 anberaumten Wahlen in Vietnam geltend, bei denen man mit einem haushohen Sieg Ho Chi Minh’s rechnete.
Gestapelte Leichen – das beispiellose, koordinierte Ausrottungsprogramm gegen Indonesiens KommunistInnen
Was in Indonesien mit 1. Oktober 1965 folgte war ein koordiniertes Ausrottungsprogramm. Binnen weniger Tage startete Suharto einen beispiellosen Massenmord an den KommunistInnen und ihren SympathisantInnen des Landes. Quer durch die Landstriche und über die Inseln des Archipels hinweg (darunter nicht zuletzt, ja mit am schlimmster in den heutigen Urlaubsparadiesen wie Bali, ….) begannen Armee und willfährige paramilitärische Banden in unsäglicher Brutalität mit Massenverhaftungen, großflächigem Verschwindenlassen, Massenliquidierungen und Masseninternierungen in Lagern. Das nächtliche Verschwindenlassen in den Flüssen des Landes war von einem Ausmaß, das selbst die Naturkräfte überforderte. „Es stapelten sich so viele Leichen, dass die Flüsse verstopften und sich ein erbärmlicher Gestank über das Land legte“, wie abermals Bevins in seiner auf freigegebenen Dokumenten, Archivmaterial und Augenzeugenberichten aus zwölf Ländern basierenden Arbeit eindringlich nachzeichnet. Eine weitere Million KommunistInnen oder was man dafür hielt wurde in Internierungs- und Arbeitslager gepfercht. „Etwa 15 Prozent der Gefangenen waren Frauen“, so nochmals Bevins. „Sie waren einer besonders grausamen, geschlechtsspezifischen Gewalt ausgesetzt. … Man zwang sie [beispielsweise], den Urin ihrer Peiniger zu trinken. Anderen Frauen wurden ihre Brüste abgeschnitten oder ihre Genitalien verstümmelt, zudem waren Vergewaltigung und sexuelle Sklaverei weit verbreitet.“ Zehntausende Internierte hielt man zudem noch bis Ende der 1970er Jahre in Gefängnissen und Arbeitslagern fest. Das Gemetzel und die fanatisierte Raserei griff auch religiös und rassistisch aus. Auf Bali, einer Hochburg von Sukarnos multireligiösem politischen Projekt, etwa gegen dessen hinduistische Bevölkerungsmehrheit oder nicht zuletzt dem Massenmord an Tausenden chinesischstämmigen IndonesierInnen.
US-Botschaft führte gar Buch, wie viele Kader der KPI auf Basis ihrer für die „Operasi Penumpasan“ erstellten Listen wann und wo hingerichtet wurden
Und die USA und ihre Verbündeten des „kollektiven Westens“ lieferten bereitwillig die Waffen, leisteten logistische Unterstützung und versorgten die indonesische Armee in ihrem Blutrausch insbesondere mit Listen tatsächlicher oder vermeintlicher KommunistInnen sowie SympathisantInnen für die „Schlächtereien“ – wie es in Depeschen hieß. Robert Martens, der in enger Kooperation mit der CIA als dafür Zuständiger der politischen Abteilung der US-Botschaft in Jakarta die Listen für das indonesische Militär erstellte und übergab, bekannte denn auch einmal ebenso freimütig wie lakonisch: „Ich habe wohl viel Blut an meinen Händen“, aber: „Das war wirklich eine große Hilfe für die Armee.“ Die Verstricktheit, ja Befeuerung des Massakers ging so weit, dass die Diplomaten in der US-Botschaft in Jakarta „gar Buch darüber (führten), wie viele Kader der kommunistischen Partei wann und wo hingerichtet wurden“, wie der bekannte Historiker und Amerikanist Bernd Greiner festhielt. Aber schon die New York Times vermerkte in ihrem eingangs bereits angezogenen Artikel „Ein Lichtschimmer in Asien“ mit Stolz auf das Ausmorden der KommunistInnen im Schatten des Sternenbanners: „Es ist zweifelhaft ob der Coup jemals ohne die amerikanische ‚Show of strength‘ in Vietnam oder die klandestine Hilfe von hier aus geglückt wäre beziehungsweise hätte durchgeführt und aufrechterhalten werden können.“
Indonesien: per ‚vergessener‘ Vernichtung der politisch Richtlinienkompetenz Washingtons ein- und untergeordnet
Freilich: „Die Hauptverantwortung für die Massaker und Lager liegt beim indonesischen Militär“ – wie auch Bevins mit John Roosa, dem wohl mitwichtigsten Historiker im englischen Sprachraum zum nach dem Zweiten Weltkrieg beispiellosen, vorsätzlichen Massenmord übereinstimmt. Allerdings, so Bevins die Forschungsergebnisse (natürlich auch jene John Roosas) festhaltend, vermag das die Rolle der USA nicht im Mindesten zu relativieren. „In jeder Phase waren die Vereinigten Staaten wesentlich an der Operation beteiligt: lange bevor das Töten begann und bis die letzte Leiche verschüttet war … Wir wissen von mehreren Momenten – und es mag weitere geben, die wir nicht kennen –, bei denen Washington die treibende Kraft war und entscheidenden Druck ausübte, um die Maßnahmen voranzutreiben oder auszuweiten.“
Der indonesische Offizier Sarwo Edhie, der Mann der Präsident Sukarno schließlich in einen Hinterhalt lockte in dem ihn die Obristen zwangen zurückzutreten und die Macht auch formell an die Armee zu übergeben, brüstete sich damit, „das Militär habe drei Millionen Menschen getötet“. Aber, wie es aus dem State Department dazu trocken hieß: „Keinen kümmerte das, solange es sich um Kommunisten handelte, die abgeschlachtet wurden.“ Denn politisch ging es den darum, das blockfreie Indonesien auf einen prowestlichen Kurs zu bringen, im Land eine „neue Ordnung“ herzustellen und mit buchstäblich allen Mitteln die größte kommunistische Partei außerhalb Chinas und der UdSSR auszuschalten, zu vernichten und auszulöschen.





