KV-Runde Metall – Auf in einen heißen Herbst!

Nach durchlaufender Krise, ist der Konjunkturmotor wieder kräftig angesprungen und brummt die Wirtschaft.

Wir befinden uns inmitten eines steilen Wirtschaftswachstums von heuer 4%, und prognostizierten 5% im nächsten Jahr, die Auftragsbücher in der Industrie sind voll – wie auch die Wirtschaftsvertreter zähneknirschend eingestehen – und die Produktivität in der Warenherstellung steigt laut den Wirtschaftsforschern um 3,3 Prozent. Zugleich sinken die Lohnstückkosten um 6,3%, oder anders gesagt, wird die Arbeit immer ergiebiger und fällt der Anteil der Löhne an den Gesamtkosten rapide. Kurz und gut bzw. in den Worten des Kanzlers: Die „Wirtschaft boomt“.

Entsprechend vollmundig tönt nach dem fatalen Kniefall einer bloßen Inflationsabgeltung mit 1,45% im Vorjahr, denn auch PRO-GE-Chef Rainer Wimmer seitens der zuständigen Fachgewerkschaften: „Beim Abschluss muss es ordentlich rascheln“.

Pünktlich zur Metaller-Runde brechen die Industrievertreter jedoch wieder in den alljährlichen Katzenjammer zu den KV-Verhandlungen aus und fordern trotz stabilen Wirtschaftsaufschwungs, durch Fachverbandsobmann Christian Knill einen „Abschluss mit Augenmaß“ ein.

Die beiden PRO-GE und GPA-Chefverhandler Wimmer und Karl Dürtscher erteilten dieser sattsam bekannten Tiefstapeleien und Schwarzmalereien zu den KV-Runden im Vorfeld bereits eine Abfuhr. „Heuer wird es keine Zurückhaltung bei den Forderungen geben“.

Dafür wird allerdings – das zeichnet sich schon jetzt ab – ein kämpferischer Kurswechsel nötig sein. Diesbezüglich sei auch an die Vorkrisen-KV-Runde erinnert, in der die Spitzen der PRO-GE und GPA zum KV-Auftakt zunächst kampfbetont ebenfalls schon die Zielforderung von 4,5% posaunten. 2019, so hieß es vor zwei Jahren bereits, sei „Erntezeit“ für die Beschäftigten. Die lauthals angekündigte fette Ernte blieb mit dem dann gestaffelten Abschluss von 2,6 – 2,8% (bei einer zugrunde gelegten Inflationsrate von 1,8%) in vertrauter „sozialpartnerschaftlicher“ Manier allerdings aus. Und so stagnierten die Reallöhne und Gehälter auch in den Boomjahren vor der Corona-Krise.

Gleichzeitig sprudelten die Metall-Gewinne  nicht bloß die Jahre hindurch nur so vor sich hin, sondern haben die Metall-Unternehmen vielfach auch im Vorjahr gut verdient. Nicht zuletzt dank der aus dem Fiskus finanzierten Kurzarbeit und Corona-Hilfen. Auf ebenso herausragenden Höhen bewegen sich nach wie vor die Branchen-Renditen auf das eingesetzte Kapital. Und auch die „Zurückhaltung“ bei Gewinnausschüttungen an Aktionäre und Muttergesellschaften war äußerst überschaubar. Zudem liegen insbesondere die börsennotierten Konzerne der Branche längst wieder über Vorkrisenniveau und die die Ausschüttungsquote von Betrieben mit Kurzarbeit bei exorbitanten fast 90%. Zu alledem gesellt sich in der Metall-Branche noch eine solide Eigenkapitalausstattung.

Nebenher ist gleichzeitig auch die von manch ÖkonomInnen schon fast totgesagte Inflation zurück. Die Teuerungen ziehen wieder stark an. Im August etwa kletterten die Preise im Jahresvergleich um 3,1%.

Die Belastungen der einfachen Beschäftigtenhaushalte steigen und steigen. Bereits im Vorkrisenjahr 2019 gab rund die Hälfte aller Arbeitenden in Österreich an, mit ihrem Einkommen „nicht oder gerade noch“ über die Runden zu kommen. Mit der Wirtschafts- und Corona-Krise des Vorjahres, den katastrophalen Lohnabschlüssen, den Einbußen durch Kurzarbeit u.a., dem auf breiter Front weiter gestiegenem Druck auf die Gehälter und vielfach schlicht unhaltbaren Hungerlöhnen, hat die Armutsgefährdung und das Abrutschen in Armut trotz Arbeit nochmals zugenommen.

In diesem Zusammenhang wird der Metaller-Abschluss in seiner Rolle als österreichischer „Leit“-KV denn auch weit über die Branche selbst hinaus die Weichen der Herbst- und Frühjahrs-Lohnrunden stellen, nicht zuletzt auch jene der ohnehin hinterher hinkenden Niedriglohnbereiche. Damit fällt der Schlagkraft und dem KV-Abschluss des gewerkschaftlichen Zugpferds Metall gerade in Zeiten wie diesen, eine gleichzeitige, nochmals gesteigerte Verantwortung für die Arbeits- und Lebensinteressen aller Beschäftigten im Land zu.

Diesbezüglich wird es allerdings eines tatsächlichen „heißen Herbst“ brauchen. Das jährliche, zum bloßen Ritual erstarrte pro forma Säbelrasseln wird dafür nicht ausreichen. Der Lohnstreit, Verbesserungen im Rahmenrecht und eine unumgängliche Arbeitszeitverkürzung sind denn auch kein „sozialpartnerschaftlicher“ Kuhhandel – sondern eine Frage der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse, der Konfliktbereitschaft in konsequenter Mobilisierung und Einbeziehung der Beschäftigten und das Ergebnis gewerkschaftlicher Auseinandersetzungen wie ihrer Kampfformen. In diesem Zusammenhang ist denn auch der an sich nicht unrichtige Verweis auf die Stärkung der Kaufkraft und Binnennachfrage nur ein flankierendes Hilfs- und Zusatzargument.

Zugleich gilt es endlich, eine weitreichende Arbeitszeitverkürzung (und zwar der Tages-, Wochen-, Jahres- und Lebensarbeitszeit) und gesellschaftlichen Umverteilung der Arbeit auf alle Arbeitssuchenden durchzusetzen. Als mit vollem Personal- und Lohnausgleich sowohl beschäftigungspolitischem Hebel, wie als (über eine rein monetäre Konsumpartizipation hinausgehende) Aneignung der Produktivitätssteigerung seitens der Arbeitenden auch in Form von mehr Freizeit: fürs Private, für Muße, Genuss und Selbstentfaltung. Für die KV-Auseinandersetzungen beinhaltet das die unabdingbaren Kampfforderungen nach einer 32-Stunden-Woche, mit dem Recht auf eine 4-Tage-Woche, sowie die 6. Urlaubswoche für alle.

Gleichzeitig stehen wir heute ökologisch an einem planetarischen Scheidepunkt die bevorstehende Klimakrise noch zu verhindern bzw. zumindest zu begrenzen. Um dem Klimawandel und den ökologischen Verheerungen noch zu begegnen, bedarf es allerdings zweifelsfrei eines tiefgreifenden, radikalen Umbaus unseres gesamten Wirtschaftssystems, einschließlich der fundamentalen Umstellung der energetischen Grundlagen, einer grundlegenden Mobilitätswende und einer öko-sozialen Neugestaltung der gesamten gesellschaftlichen Infra- bis Wohnstruktur. Dafür sind auch in der Metall-Branche zwingend ‚grüne‘ Zukunftsinvestition, eine Umstellung auf Zukunftsprodukte (für eine Verkehrswende Schiene-Bahn-Bus, für eine Energiewende durch Erneuerbare usw. usf.) verknüpft mit Arbeitsplatzsicherheit nötig; kurz: ein klimatauglicher, sozial-ökologischer Strukturwandel der Branche unabdingbar. Diesbezüglich bedarf es aus gewerkschaftlicher Perspektive freilich in eins eines unaufkündbaren Gleichgewichts aus Ökologie und Sozialem. Jeder Versuch, die tiefe, ineinander verwobene Einheit der ökologischen und sozialen Frage auseinanderzureißen, sich nur auf eine Seite von beidem zu stellen oder sie gar gegeneinander auszuspielen, führt in die falsche Richtung. Vielmehr gilt es, die akute sozial-ökologische Doppelkrise der Gegenwart in ihrer Einheit zu begreifen und den Arbeits- und Lebensinteressen der Beschäftigten verpflichtet zu lösen.

Daher fordern wir:

  • Mind. plus 6% auf alle KV- und IST-Löhne & Gehälter!
  • Eine Mindesterhöhung von 250,- Euro in den Stufen A bis D!
  • Erhöhung der Schichtzulagen, insbesondere für die 2. und 3. Schicht sowie Erhöhung der Überstunden-Zuschläge!
  • Die 6. Urlaubswoche für alle!
  • Rahmenrechtliche Verbesserungen neuralgischer Feiertagsregelungen!
  • Echte Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich – statt Abtausch durch „Freizeitoption“!
  • Her mit der 32-Std.-Woche und dem Recht auf eine 4-Tage-Woche!
  • Eine deutliche Anhebung der Lehrlingsentschädigung!
  • Zukunftsinvestitionen, Arbeitsplatzsicherheit und einen klimatauglichen Strukturwandel der Branche in engem sozial-ökologischen Gleichgewicht!

Foto: PRO-GE

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