Mit dem historisch beispiellosen 800 Mrd. Euro schweren EU-Hochrüstungsprogramm und dem monströsen Hinaufschrauben der NATO-Militärausgaben auf 5% des BIP ist das globale Wettrüsten in einen regelrechten Rüstungs-Tsunami übergegangen. In eins damit wurden und werden die Weichen auf eine immer offensivere Konfrontationspolitik und Krieg gestellt. Im Zentrum des monströsen Bomben-Geschäfts der Rüstungsindustrie und der digitalen Kriegsführung 4.0 stehen dabei nicht zuletzt VR-gesteuerte Kampfdrohnen und neuartige autonome Schwarmsysteme.
Aber auch das versuchte „Brainwashing“ per bellizistischem Dauerbombardement und ständigen polit-medialen Schnappatmungen der Schreibtischfeldwebel:innen diverser Couleurs vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, wie von Andreas Seifert von der Informationsstelle Militarisierung auf den Punkt gebracht: „Die 2022 ausgerufene Zeitenwende … schafft den [willkommenen] Begründungsrahmen für Pläne, die schon lang bereit lagen.“
Kampfdrohnen: Die Karriere eines neuen Hightech-Waffensystems
Die Anfänge des Kriegseinsatzes bewaffneter Kampfdrohnen weisen auf den Afghanistan-Krieg der USA (2001 und dann ab 2004 systematisch ausgeweitet) zurück, in dem sie (als seinerzeit noch flugzeugähnliche „Predator“- und „Reaper“-Drohnen) erstmals zum Einsatz kamen. Als Beobachtungsdrohnen fanden sie überhaupt schon ein Jahrzehnt früher, nämlich im US-geführten Zweiten Golfkrieg gegen den Irak (1991), zentrale militärische Verwendung.
Begleitend wurde von der Bush-Administration ab 2001 ein ausgedehnter verdeckter US-Drohnenkrieg über den Globus verhängt, der unter Brack Obama seit 2009 dann nochmals drastisch ausgeweitet und von Pakistan, über den Jemen bis Somalia (um nur die bekanntesten der sporadisch durch den darüber gezogenen Schleier durchschimmernden Länder zu nennen) intensiviert wurde. Diesem seit über zwei Jahrzehnten geführten Schattenkrieg Washingtons fielen zwischenzeitlich zig Tausende quer über den Erdball zum Opfer. Die Toten durch Killerdrohnen in offiziellen US- und NATO-Kriegsgebieten wie beispielsweise Libyen (2011) noch gar nicht mitgezählt. Im militärischen und geheimdienstlichen Sprachgebrauch der USA wird die Praxis jenes verdeckten Drohnenkriegs ebenso zynisch wie zutreffend als „crowd killing“ bezeichnet, da die extralegalen Hinrichtungen und ins Visier genommenen Ziele vielfach gegen ganze Menschenansammlungen wie etwa Hochzeitsgesellschaften geflogen undins Fadenkreuz genommenwerden. Entsprechend konstatierte die New York Times bereits 2012: „Drohnen sind zu einem provokativen Symbol amerikanischer Macht geworden, die die nationale Souveränität mit Füßen tritt und Unschuldige tötet. Unter den wachsamen Augen Chinas und Russlands haben die USA einen internationalen Präzedenzfall für die grenzüberschreitende Entsendung von Drohnen zur Tötung ihrer Feinde geschaffen.“
Vom dann „ersten echten Drohnenkrieg“ zum Drohnen-Wahn der Gegenwart
Als der dann gleichsam „erste echte Drohnenkrieg“ gilt Militärbeobachtern übereinstimmend der von der Türkei und der Ukraine militärisch unterstützte Krieg Aserbaidschans (gestützt auf die berüchtigten türkischen Bayraktar-TB2-Drohnen) gegen Bergkarabach (2020). Seit diesen Zäsurensind bewaffnete Drohnen und mittlerweile miniaturisierte Kampfdrohnen (sog. FPV/„First-Person-View-Drohnen“) im globalen Kriegsgeschehen sozusagen Usus.
Mit dem Ukraine- und Gaza-Krieg erfolgte freilich sowohl im massenhaften Einsatz von Drohnen wie ihren Operationsräumen (zur Luft, zur See und zu Land) – zunächst im Pionierstatus durch die Ukraine, mit der 2024 einsetzenden industriellen Massenfertigung nun auch seitens Russlands – ein nochmaligerneuer Sprung auf dem Feld des Drohnenkriegs: bis zurArt der Kriegsführung.
Einher mit dieser Veränderung der Kriegsführung und der beschleunigten Aufrüstung mit Drohnen hat ein regelrechter UAV(„Uncrewed Aerial Vehicl“)-Boom Einzug gehalten.Die Drohnentechnologie und ihre Weiterentwicklung zur KI-gesteuerten elektronischen Kriegsführung (inkl. autonom koordinierter Drohnen-Schwärme) sind zu einem hochflorierenden Geschäftsfelddes Militärisch-industriellen Komplexes aufgestiegen. Darüber hinaus stehen ebenso neuartige Deep-Strike-Drohnen mit anvisierten Reichweiten von über 1000 Kilometern ganz oben auf den Wunschzetteln der EU-Militärunion und der NATO, wofür etwa Rheinmetall letzten Sommer eine Partnerschaft mit dem kalifornischen Drohnenspezialisten Anduril geschlossen hat.
Der Gaza-Krieg wiederum markiert in dieser Gemengelage seines Zeichens eine nochmals neuartige digitale Kriegsführung (KI-basierte Ortung von Zielpersonen und Angriffszielen, …). Damit steht das bisherigen Töten durch die VR-Brille heute überhaupt an der Schwelle zur autonomen Menschenjagd und Kriegsführung.
Bombige Geschäfte – Der Militärisch-industrielle Komplex in der „Zeitenwende“ & die Alpenrepublik
Rheinmetall ist dabei nicht nur der größte deutsche Rüstungskonzern (noch weit vor Thyssen-Krupp Marine Systems, MBDA, Hensoldt, KNDS oder Heckler&Koch), sondern steht wegen seiner schmutzigen Waffenhandel seit langem zugleich als Symbol der dreckigen Profitlogik der Waffen- und Militärindustrie. Das ficht die aktuelle Börsen-, Umsatz- und Profit-Rallye des Rüstungsgiganten mit weltweit an die 170 Standorte in 33 Ländern – darunter etwa auch Rheinmetall MAN Military Vehicles in Liesing – freilich ebenso wenig an, wie seine enge Symbiose mit dem politischen Personal Deutschlands und Brüssels im Stechschritt auf eine EU-Militärunion und Kriegswirtschaft.
Im Gegenteil, das auf das beispielslose, gerade auf den Weg gebrachte EU-Hochrüstungsdelirium von 800 Mrd. Euro nun nachgeschobene größte Aufrüstungsprogramm der NATO, mit einer Anhebung der Wehretats auf 5% des BIP (3,5% unmittelbar in die Militäretats und zusätzliche 1,5% in weitere Maßnahmen zur Kriegsvorbereitung), wird die kriegswirtschaftliche Zeitenwende noch weiter befeuern, ja förmlich in neue Dimensionen katapultieren.
Bombige Zeiten für die Waffenindustrie also. Entsprechend explodierte denn auch der Kurs von Rheinmetall-Aktien (in Anknüpfung an Wagners Nibelungenlied von manchen heute sarkastisch auch als „Rheingold“ tituliert)von 79 Euro Ende 2021 über 530 Euro Mitte 2024 auf über 1.900 Euro heute regelrecht auf das über 24-Fache.
Aber dieser rüstungsökonomisch wie offensiv kriegspolitische Umbau hat natürlich ebenso wenig bei Rheinmetall oder auch bei den französischen, italienischen oder britischen Premium-Rüstungsschmieden sein Bewenden. Von den US-Rüstungsgiganten erst gar nicht zu sprechen. Auch österreichische Waffen- und Rüstungskonzerne sowie in der Öffentlichkeit weniger im Rampenlicht stehende Unternehmen, wie im Drohnengeschäft namentlich Rotax, verdienen an Militärs, Rüstungswirtschaft und am Krieg.
So ist Rotax nicht nur als langjähriger Lieferant von Motoren, Software und Drohnenteilen für die berüchtigte türkische Kampfdrohne Bayraktar-TB2, die auf türkischen Paraden wie ein Held gefeiert wird, bekannt, sondern auch alleiniger Hersteller der Motoren für mehrere israelische Drohnen (UAV). In enger Kooperation gefertigte Motoren denen von Elbit Systems, dem größten israelischen Rüstungskonzern und Drohnenproduzenten, geradezu substantielle Bedeutung für denHightech-Tod aus dem Himmel attestiert wird.
Und es sind beiweilen nicht allein die Waffenschmieden, Rüstungskonzerne und Dual-Use-Produzenten sowie politische Schreibtischfeldwebel:innen diverser Couleurs, die der Rüstungsproduktion und einem immer forcierteren Hineinsteuern in eine Kriegswirtschaft das Wort reden. So machte etwa Wifo-Chef Gabriel Felbermayr unlängst im Rüstungs-Boom auch schon ein neues Geschäftsfeld für die Automobil- und Industrie-Zulieferer aus, und Wifo-Ökonom Friesenbichler sekundierte mit Österreichs Potentialen im Hightech-Bereich und Feldern weiteren Militärequipments.
Mit der Zuckerl-Koalition wurde andernteils nun auch in Österreich erstmals die Anschaffung von Kampfdrohnen über den „Aufbauplan ÖBH 2032“ besiegelt. In diesem Kontext begann Elbit Systems gerade mit der Auslieferung von 315 senkrecht startenden Aufklärungsdrohnen an das heimische Bundesheer. In einem zweiten Schritt wird das österreichische Bundesheer darauffolgend auch mit Kampfdrohnen aufgerüstet.
„So haben sich die Zeiten geändert“, ätzte selbst die „Süddeutsche Zeitung“ im Herbst 2023 zum gehypten und medienwirksam inszenierten Spatenstich einer neuen Rüstungsschmiede von Rheinmetall spöttisch: „Anders als vor dem Krieg in der Ukraine, als sich die Rüstungsindustrie eher versteckte – und von der Politik gemieden wurde“, zelebriert man heute eine neue Intimität mit den Waffenschmieden und Rüstungsbaronen. Mied man es bis jüngst tunlichst, sich mit dem Militärisch-industriellen Komplex unter den Linden zu zeigen, hat sich der Wind heute ins Gegenteil gedreht. Auch im nominell neutralen Österreich. Denn die neue Leitparole der über uns rollenden Militarisierung lässt sich in drei Worten zusammenfassen: „Waffen, Waffen, Waffen.“
„Die Profite steigen, und die Proletarier fallen“ (Rosa Luxemburg)
So Rosa Luxemburg aufs Formelhafte verdichtet. Eine Einsicht, die sich auf den Militärisch-industriellen Komplex gewendet mit Karl Kraus auch dahin festhalten lässt: „Als zum erstenmal das Wort ‚Friede‘ ausgesprochen wurde, entstand auf der Börse eine Panik. Sie schrien auf im Schmerz. Wir haben verdient! Lasst uns den Krieg! Wir haben den Krieg verdient!“





