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Arbeitszeit-Verkürzung JETZT! Weitreichend & für Alle!

Der Widersinn der Kapitallogik
AZV-Falter_CoverWährend auf der einen Seite die Arbeitslosigkeit im Land auf immer weitere Rekordhöhen klettert, steigt auf der anderen Seite der Leistungsdruck auf die Beschäftigten und bürdet man ihnen Millionen von Überstunden auf. Verschärfend dazu mehren sich die Stimmen eines gesellschaftlichen Zurücks zum 12-Stunden-Arbeitstag des 19. Jh.

Beides spiegelt indes nur kapitalimmanente Kehrseiten ein und derselben Medaille. Und beidem läßt sich ohne einer weitreichenden Arbeitszeitverkürzung und gesellschaftlichen Umverteilung auf alle nicht beikommen.

Rekord-Realarbeitszeit – Rekord-Arbeitslosigkeit

Die immer mehr durch die Decke schießende Arbeitslosigkeit bedeutet so denn auch nicht „nur“, dass jede/r zehnte Werktätige im Land erwerbslos ist: gerade noch so über die Runden kommt, in entwürdigenden Abhängigkeiten steht und vielfältig von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen ist. Sondern sie schlägt auch mit ihren Begleiterscheinungen mit voller Wucht zu Buche: Lohndruck und Lohndumping, zunehmender Druck auf die bestehenden Arbeitsverhältnisse, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, Aushöhlung erkämpfter sozialer Rechte, erzwungene Teilzeitbeschäftigungen, Flexibilisierung, sich auf breiter Front durchsetzende Prekarisierungen und immer mehr „McJobs“, von denen die Menschen nicht leben können.

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Während strukturell ein immer größeres Arbeitslosenheer anwächst, wird so parallel für jene die noch in Arbeit stehen die Arbeitszeit ausgedehnt wie intensiviert – mit zunehmender physischer und psychischer Belastung und deren Folgen: Stress, Überarbeitung, Überlastung, Angst, Burn-Out, Depressionen, und anderen stressbedingte Erkrankungen, steigendem Arbeitsunfallrisiko, akutem privaten Zeitmangel und fehlender ausreichender Erholung. Die annähernd 300 Mio. Überstunden pro Jahr (deren Abbau – konservativ gerechnet – allein gut 50.000 Arbeitsplätze brächte, anderen Studien zufolge sogar ein Vielfaches), verdeutlichen diesen Umstand wohl am Augenfälligsten. So weisen die vollzeitbeschäftigt Arbeitenden im Land mit durchschnittlich 43 Stunden die Woche denn auch eine so hoch wie kaum wo sonst in EU-Europa liegende Realarbeitszeit auf.

40 Jahre 40/h-Woche – Drei Jahrzehnte Papiertiger 35/h-WocheKarikatur-35-h-Woche_hartnaeckig-web

Demgegenüber „feiert“ die letzte, mittlerweile jedoch bereits stark in die Jahre gekommene und ausgehöhlte gesetzliche Arbeitszeitverkürzung auf 40 Stunden die Woche heuer ruhig und beschaulich ihren 40. Geburtstag. Denn seit dem herrscht weitgehend Stillstand, kam es zu keiner weiteren umfassenden und generellen Arbeitszeitverkürzung mehr. Zwar konnten seither in unterschiedlichen Branchen kollektivvertragliche Arbeitzeitverkürzungen durchgesetzt werden. Von einer flächendeckenden Arbeitszeitverkürzung, gar Einführung einer gesetzlichen 35-Stunden-Woche als erstem und überfälligem Schritt einer weitreichenden Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden, sind wir nichts desto trotz meilenweit entfernt. Und in realiter sogar „Realarbeitszeit-Vizeeuropameister“.

Mehr Freizeit – mehr Arbeitsplätze!

Die gesetzliche Regelarbeitszeit liegt unverändert bei 40 Wochenstunden. Die seit 1983 von ÖGB und AK vielfach geforderte 35-Stunden-Woche ist auch nach über drei Jahrzehnten nicht durchgesetzt. Damals wurde diese bereits als (Produktivitäts-)Abgeltung der Effektivierungen der 1970er Jahre (!) gefordert. Heute begründete sie sich, wie der weitere Schritt in Richtung einer weitreichenderen Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden, ökonomisch schon alleine aus der enormen Produktivitätssteigerung der letzten beiden Jahrzehnte (1994 bis 2012: + 23,9%) bei gleichzeitigem Nettoreallohnverfall im selben Zeitraum um 0,5%. Aber außer ritualsierten Resolutionen und geduldigen Papieren von ÖGB und AK, harrt sie ihrer Erkämpfung in verstaubten Schreibtischladen.

Dabei brächte allein die Durchsetzung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich gut 130.000 – 180.000 zusätzliche Arbeitsplätze und würde zusammen mit einem Überstundenabbau bis zu über 230.000 Arbeitslose wieder in Broterwerb und Arbeit setzen. Mit einer 30-Stunden-Woche ließe sich im Folgeschritt dann überhaupt eine Wende einleiten!

Wende einleiten: Für eine Neuvermessung der Arbeit!

Eine Wende, in der sich die Zurückdrängung der Arbeitslosigkeit sowie der sie begleitenden Armut mit einer Verschiebung der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse und des Zugewinns an emanzipatorischer Lebensqualität verbindet. So ist denn eine radikale Arbeitszeitverkürzung und gesellschaftliche Umverteilung auf alle Arbeitssuchenden auch zu verstehen: Als gleichermaßen beschäftigungspolitischer Hebel, wie als (über eine ledigliche Konsumpartizipation hinausgehende) Aneignung der Produktivitätssteigerung seitens der Werktätigen auch in Form von mehr freier Zeit. Sprich: Gewinn an Eigenzeit fürs Private, für Muße, Genuß und Selbstentfaltung.

Last but not least würde eine radikale Arbeitszeitverkürzung auch das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern reduzieren:  Sie ermöglicht es Frauen, leichter aus den mannigfach erzwungenen flexiblen Arbeitszeiten und  „Zwangs-“Teilzeit mit zu wenig Lohn für ein selbständiges Leben in Vollzeitbeschäftigung auszubrechen, während männliche Beschäftigte wiederum mehr Zeit hätten, um ihren Teil an Haushalt und Kinderbetreuung zu übernehmen.

Wir fordern:
Nach Jahrzehnten eines gesetzlich-allgemeinen Arbeitszeitverkürzungsstillstands, einer kontinuierlich absackenden Lohnquote und des Reallohnverlusts, des zunehmenden Arbeitsdrucks, sowie einer explodierenden Arbeitslosigkeit bedarf es dringendst einer radikalen Arbeitszeitverkürzung und gesellschaftlichen Umverteilung auf alle im Land!
  1. Für die längst überfälligen Durchsetzung der von ÖGB und AK schon seit Jahrzehnten geforderten 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich sowie begleitender Arbeitszeitregelungen!
  2. Für eine weitreichende Arbeitszeitverkürzung auf eine allgemeine und flächendeckende 30-Stunden-Woche!
  3. Für wirksame Maßnahmen zum Abbau der chronischen Überstunden!
  4. Keine Abänderungen mehr des Arbeitszeitgesetzes, Arbeitsruhegesetzes und diverse Spezialgesetze durch Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen zum Nachteil der Beschäftigten! Rücknahme sämtlicher diesbezüglicher Ausnahmen aus der Ära Schwarz-Blau!
  5. Für eine flächendeckende Einführung der 6. Urlaubs-woche für alle unselbständig Beschäftigten!
  6. Zurück zum Ringen um eine (gesetzliche) umfassende und generelle Arbeitszeitverkürzung, anstatt des Abtausches gegen Lohnerhöhungen (so genannte „Freizeitoption“)!
  7. Offensiver und konsequenter Kampf der Gewerkschaften für eine weitreichende Arbeitszeitverkürzung!